Reykjavik

Auf dem Campingplatz wohnt es sich sehr angenehm. Es ist relativ voll, weil hier am Wochenende das Welttreffen der Pfadfinder stattfindet. Aber es ist lustig, dem bunten Treiben zuzuschauen. Dann stopf ich mir die Stöpsel in die Ohren und schlafe gut.
Jede Menge unterschiedlich Leute treffe ich hier, meistens in der Küche: die musikalischen Amerikaner und Franzosen, mit denen ich lange am Abend beim Abendessen und Rum-Nachtisch saß; die künstlerisch-alternativen Männer, die reichlich Reis übrig hatten und sich dafür über Gemüsebeilage freuten; zwei Mädels an ihren letzten Reisetagen, die nun zur Uni zurückkehren müssen; das polnische Paar, das gerade ganz besselt vom Hochlandtrekking kam und gaaanz viel zu erzählen hatte…

Leider gibt es auch die, die morgens 4.00 lautstark ihr Zelt abbauen, die menschlichen Müllschweine, wegen denen die Zeltplatzleute die Container „bewachen“ müssen und die älteren russischen Typen, die nachts besoffen und lärmend über den Platz torkeln.

Gemütlich ist es, auf den Bänken am Hostel mit Leuten aus aller Welt zu quatschen, die das Interesse an der Natur vereint. Die meisten scheinen zu trekken und planen eine Tour oder kommen grad zurück. Für die meisten ist es eine Durchgangsstation: ankommen, ordnen, planen, Infos sammeln, packen, Erlebnisse verarbeiten, das nächste Ziel anpeilen…

Schön ist es hier.

Nachdem ich gestern, am Anflugtag, gefaulenzt habe und im Thermalbad war, war heute wieder Bewegung dran. Mit einem Mountainbike radelte ich einmal um die Stadt, immer schön am Wasser entlang. Auf der Vogelinsel Grotta fanden die Möven meinen Besuch gar nicht lustig und griffen an.

DSCN8761

In der Stadt schaute ich mir die klassischen Sehenswürdigkeiten an: Harpa, Altstadt, alter Hafen, Hallgrimskirkja, Sonnenfahrt. Die Sonne schien und ich saß lange mit einem Softeis am Hafen. Ok, das Eis hat nicht lange gehalten…

Island ist echt unkompliziert. Ich hab nicht mal Bargeld geholt. Hier zahlt man wirklich alles mit Plastik. Auch das Softeis.

Auf dem Rückweg zum Camping sah ich, dass ein großer weißer Tourifrachter angeschippert kam. Eine Aida wollte in den Hafen. Dafür kam eine Disney heraus. Zwei Planschbecken mit Rutschen und eine riesige Leinwand mit Kinderfilm zeigten den Schwerpunkt des Schiffes.

Jetzt am Abend regnet es mal wieder und ich genieße die angenehme Atmosphäre im Hostel.

Here I am

Seit Langem also mal wieder Island. Im Landeanflug hab ich schon bereut, nur die drei Tage zu haben. Diese Insel zieht einen wirklich in ihren Bann. 

Der Shuttle vom Flugplatz Kevlavik ging reibungslos und schnell. Draußen gleich rein in den Flybus, musste auch gar nicht umsteigen. Der große Bus fuhr weiter zum Campingplatz. Perfekt, kein Tascheschleppen.

Der Busfahrer half ganz lieb mit dem Gepäck und erklärte während der Fahrt sehr humorvoll und gut gelaunt ein paar Dinge zur Stadt. Für uns in der Reihe direkt hinter ihm hatte er paar markige Kommentare und unterhielt uns bestens.

Noch nie war ich in Reykjavik. Also nun. Das luxuriöse Staika stand innerhalb 5 min auf dem Campingplatz. Hab ja ganz vergessen, wie unkompliziert ein Zeltaufbau sein kann. Nette deutsche Nachbarn hab ich auch. 

Jetzt warte ich den Schauer ab und packe schon mal für den Hotpot. Der liegt nämlich gleich nebenan und ist mein Aufenthaltsort für den Rest des Tages.

Eidsvoll

Morgen geht es los: ich fliege nach Reykjavik und von dort weiter nach Grönland. 

Etwas nördlich vom Airport habe ich hier in Eidsvoll einen sicheren Platz für das Auto gefunden. 

Der Tag war gefüllt mit Erledigungen, Packen, Räumen. Jetzt ist alles fertig und ich freue mich auf einen netten Abend mit der Familie, sie mein Bussi beherbergt.

Sie letzte Nacht verbrachte ich nochmal auf einem typischen Bussi-Übernachtungsplatz.

Und endlich gab es auch frischen Waldbeerenjoghurt in XXL.

Lillehammer

Genau wie die Wettervorhersage angekündigt hatte wurde es hier endlich trocken, das war sogar T-Shirt-Wetter. Die Norweger badeten entspannt im brr-kalten See und liefen in kurzen Hosen. Ok, ich bin ein Weichei!

Einen sehr schönen Schlafplatz hatte beim Kanuverein gefunden. Mit Schwimmsteg und netten Kontakten, gegenüber in der Marina gab es warme Dusche und WIFI. Perfekt.

Die letzten Tage paddelte ich nun zu Trainingszwecken die Mjøsa rauf und runter und quer über den See. Als ich mit Clubmitgliedern auch ein Seekajak nutzen konnte merkte ich, wie gutmütig mein Faltboot ist. Ui, das wird lustig demnächst.

Am Steg konnte ich auch in Ruhe mein Kajak reinigen, zerlegen und trocknen. Einige Mitglieder waren sehr interessiert. Das hatte ich schon mehrfach hier erlebt: Faltboote sind ziemlich unbekannt.

Drei Tage genoss ich die Urlaubsbedingungen am See, um neben dem Halbtags-Paddeln zu arbeiten. Ja, bald ist es vorbei, dieses Jahr. Und die beruflichen Pflichten rufen schon vor dem ersten Arbeitstag.

Fahrt ins östliche Jotunheimen

Am Abend fuhr ich noch weiter Richtung Süden. Das Hochland des Jotunheimen ist wunderschön, auch wenn es regnet und stürmt. Nach der Paddelei im Kalten wollte ich aber nicht mehr gerne aus dem warmen Auto raus. Die Bilder entstanden also alle direkt an der Straße.

Noch nördlich von Fagernes zeigte mein OSM eine unbefestigte Straße über ein Fjell. Da sollte sich doch ein Schlafplatz finden… Viele viele Kilometer fuhr ich in Regenschauern entlang hübscher kleiner Seen und durch weite Wälder die gute Schotterstraße, die mich weiter an Lillehammer heran brachte. Nur eine ordentliche Stelle zum Schlafparken gab es nicht, dafür jede Menge Privatwege. Dann zeigte doch ein Schild zu einem Rastplatz. Und he, das war er! Mehrere kleine Plätze gab es zwischen Angelteichen. Überall standen schon weiße Riesen, ein Lagerfeuer brannte und es roch nach leckerem Abendessen. Und ein Platz war noch frei 😀. So hatte ich meinen eigenen kleinen See, konnte drumherum laufen und hatte eine Picknickbank direkt daneben. Perfekt! Eine Anglerin kam zum Quatschen vorbei und wünschte mir gute Nacht. Sie ist immer wieder gerne hier im einsamen Fjell.

Und natürlich gab es wieder einen farbenfrohen Sonnenuntergang.

Gjendevatnet

Der Morgen begann trocken und dann kam sogar die Sonne raus. Eiskalt und klar lag der See vor mir. 


Die Fähre nahm mich zu norwegischem Preis mit ans Ende der Welt des Sees. Dort entließ sie fünf Menschen und ein Kajak. Die vier Wanderer verschwanden gleich auf dem Pfad hinauf in die Berge. Hier kann man sich einsam fühlen. Die nächste Fähre hierher würde in 8 Stunden kommen …


Die Einsetzstelle war toll, es ging mit trockenen Füßen ins Boot. Und ich genoss erstmal die Stille. Auf den zwanzig Kilometern fühlte ich mich komplett allein. Zweimal blitzte eine bunte Wanderjacke durch das Gebüsch. Das war es auch schon. Ein Boot sah ich erst wieder an der Anlegestelle am Ziel. Geräusche kamen von den lebhaften Möwen, die ihren  Nachwuchs lautstark beschützten. Die Wasserfälle produzierten dröhnendes Getöse und gelegentlich määähte es vom Berg. 

Von dort oben wurde ich von meinen Schlafnachbarn fotografiert. Bin schon sehr gespannt auf die Suchbilder.

In der einen Richtung Sonne, in der anderen schwarze Wolken. Zehn Minuten später kam der Platzregen, nochmal zehn Minuten später schien wieder die Sonne. Norwegen. Und obendrüber in den Bergen war das ein heftiger Hagelschauer – erzählten meine Parkplatznachbarn später.

Bis ich meine Ausrüstung getrocknet und gepackt hatte waren auch die Wanderer vom Nachbar-Womo da. Wir saßen noch eine ganze Weile bei Kaffee und Schokokuchen zusammen. 

Den Bygdinvatnet hatte ich für mich gestrichen. Der Regen blieb, es war sehr kalt und ich wollte runter ins Inland. Dort waren die Wetteraussichtichten für die nächsten Tage deutlich besser. Irgendwann ist es genug mit Nässe und Kälte im Juli.

Dovrefjell und Jotunheimen

Von Oppdal musste ich mich nun wieder Richtung Süden bewegen. Die Zeit in Norwegen neigt sich ihrem Ende zu.

Die große Europastraße wollte ich aber nicht fahren, viel zu interessante Dinge lagen da am Weg. Dovrefjell und Jotunheimen streifte ich auf der Fahrt über die FV 51. Diese Hochebenen: traumhaft, verträumt, geheimnisvoll und voller Trolle!

Auf halben Weg liegen der Gjendevatnet und der Bygdinvatnet. Auf beiden kann man eine Strecke mit der Fähre fahren und zurück paddeln. Beide Male war der Kajaktransport völlig einfach, die Preise sind jedoch trotz Süßwassers gesalzen. Das Erlebnis, völlig allein auf diesen hochgelegenen und sehr tiefen Seen zu paddeln lohnt die Kosten.

Abends war es noch trüb. Von meinem Übernachtungsplatz schaute ich direkt auf den See und mein morgiges Transportmittel.

Später schaffte es die Sonne, durchzulinsen.

Und dann kam auch noch ein zahmes Rentier zu Besuch.