Zu Allererst: Es war eine extrem gute Entscheidung, diese Tour zu machen 🙂

Leider hat sich in diesem Jahr in meinem Bekanntenkreis keine Gruppe zusammengefunden, die eine solche Reise selbstorganisiert machen wollte. Also mit Guide und Rundumversorgung von Elchtours. Auch gut.

Die Kajaktour begann in Kulusuk, einem kleinen Ort in Südostgrönland entlang des Ammassalik-Fjord paddelten wir bis Kuummiut. Ein bisschen südlich nahmen wir den Ikaasatsivaq-Fjord bis nach Tiniteqilaaq. Nachdem wir den Sermilik-Fjord gequert hatten kamen wir in den Johan-Petersen-Fjord und paddelten ihn bis zum Ende, in das 5 Gletscher aus dem Inlandeis kalben. Dort holte uns ein kleines Motorbbot ab und brachte uns in 4 Stunden zurück nach Kulusuk (gelbe Linie) Wir zelteten meist auf Landnasen mit schönem Ausblick (grüne Tropfen) und versorgten uns selbst. 

Unsere Gruppe bestand aus 4 Gästen und dem Guide Calle. Wir bekamen Prijon-Kajaks, Trockenanzüge, Packsäcke, Zelte und Lebensmittel gestellt. Ich nahm allerdings mein eigenes Zelt mit, da es nur Doppelbelegung gab und ich mir nicht 2 Wochen zelten mit Mister Unbekannt vorstellen konnte.

Hier als Appetithäppchen ein Zusammenschnitt einiger kurzen Videos: mit der kleinen Pocketkamera, Paddel in einer Hand, einfach drauflos gefilmt. Aber ich glaube, ein erster Eindruck entsteht auch hier schon.

Die organisierte Reise startete in Reykjavik. Was mir gefiel, denn ich konnte von Oslo recht günstig dorthin fliegen und danach nach Skandinavien zurückkehren. Ich gönnte mir 3 Tage Aufenthalt in der isländischen Hauptstadt und radelte tagsüber mit einem Leihrad durch und um die kleine Stadt. Natürlich war ich an der Harpa und am Hafen, schleckte Softeis und schaute Aidas beim Ein- bzw. Ausfahren zu. Abends lag ich meistens im Hotpot nebenan und genoss das warme Wasser und die gemütliche Atmosphäre. Unbedingt zu beachten ist die Waschanleitung!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Das Abendessen konnte ich in den Küchen der Jugendherberge zubereiten, Kocher hatte ich ja nicht dabei. Hier konnte man in Boxen nach den abgelegten Dingen abgereister Gäste schauen und die eigenen Vorräte ergänzen. Das ergab oft spannende und reichhaltige Gerichte. Und dort gab es auch den ein oder anderen netten Abend…

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

23.7.16

Von Reykjavik ging der Flug nach Kulusuk, einer kleinen Stadt in Ostgrönland. Begleitet von einem seriösen Steward nahmen wir im Propellerflieger Platz. Den Anflug auf Grönland fand ich bezaubernd. Erst war ich über die weißen Punkte im Meer verwundert bis ich kapierte, dass das schon riesige Eisberge waren. Sie hatten es vom Inlandeis-Gletscher bis ins offene Meer geschafft. Ich staunte.

Wir landeten auf der Naturpiste und wurden in der winzigen „Airport“-Halle von einem sehr freundlichen Empfangsmenschen begrüßt. Zur Erinnerung gab es einen richtigen grönländischen Einreisestempel.

In Thai-Manier wurden wir dann mit unserem Gepäck auf einem Pickup zum Restaurant gefahren. Zum Glück passten nicht alle vorne rein, sodass wir zu zweit hinten sitzen konnten.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Nach der Begrüßung durch unseren Guide und einem leckeren Buffet ging es weiter ins Dorf. Wir luden Gepäck um, aus und ein, packten Lebensmittel und schleppten alles zu den Kajaks. Denn es sollte heute noch auf’s Wasser gehen. Die Verteilung der Trockenanzüge, Paddel und Schwimmwesten erzeugte scharfe Diskussionen in der Gruppe. Schnell wurden sich modernere, hübschere, bessere Teile gesichert. Natürlich war für alle genügend da und endlich waren die Boote schwer mit Ausrüstung und Lebensmitteln bepackt. Es konnte losgehen.

Der Umgang mit dem Seekajak war für mich am Anfang extrem anstrengend. Noch nie hatte ich in so einem langen schmalen Boot gesessen, das Bedienen der Steuerung war mir neu und das Gewicht machte das Boot träge. Dazu kamen schräge Wellen, das ungewohnte Paddel und das Bewusstsein, in einer Badewanne voll Eiswasser zu schwimmen.

Also atmen, paddeln, geradeaus gucken, steuern nicht vergessen. Aber irgendwie klappte das alles nicht. Eine Nachfrage und Kontrolle beim Guide ergab, dass mein Steuer nicht funktionierte. Aja. Aufgabe war nun also: irgendwie zum ersten Camp zu kommen, dann wird repariert. Sehr kraftaufwändig und beunruhigend mit dem langen Boot, das sich ständig in den Wind drehte.

Irgendwann kamen wir aber an, bauten die Zelte auf und kochten. Dann kam das erste Genießen. Wir standen auf einer Landnase mit tollem Rundumblick. Eine Wasserquelle gab es auch und nachts war es unglaublich still. Nachts hatten wir einen kleinen Besucher.

Morgens gab es die ersten Informationen zum Verhalten auf dieser Tour. Unser Guide war ein sehr gewissenhafter, der alle Risiken ausschließen wollte. Mir kam das entgegen. Die Tour ging eh über meine Komfortzone hinaus, und ich wollte sie ohne Angst genießen können. Es gab also Paddelregeln, Verlaufsinfos und die Vorgabe, dass jeder Bärenwache zu schieben hat. Bei 5 Personen heißt das: rotierend hat jeder 2 Stunden pro Nacht aus dem Zelt zu krabbeln und den Überblick über das Camp zu haben und zu schauen, ob sich ein Bär nähert. Im Laufe der Reise sollte diese Regel zu häufigen Diskussionen führen, da nicht jeder aufstehen wollte und einer auch immer wieder einfach im Zelt liegen geblieben ist. Ich habe die nächtlichen Zeiten allein im rauen Klima und der absoluten Stille sehr genossen. Wurde es mir zu kalt, rollte ich das Dach meines Hillebergs herunter und saß so mit Rundumblick geschützt im Zelt und im Schlafsack. Dabei kam mir entgegen, dass ich ja immer „oben“ aufbaue. Ich liebe den Ausblick aus dem offenen Zelt und mag es gar nicht, in Senken und Sackgassen zu stehen. Mit dem Staika geht das prima, das steht auf jedem Stein ohne Häringe.

24.7.16

Der erste Morgen war grandios und bald steuerten wir den ersten Gletscher an, den Apusiaajik-Gletscher. Das Steuer hatte Calle repariert und ich fand langsam Spaß daran, das Kajak nicht  nur über Steuerschläge zu manövrieren.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Unser Guide Calle, der in Schweden geboren ist und nun mit seiner deutschen Frau in Grönland lebt und sich auf unserer Tour sooo gefreut hat, als er die Nachricht bekam, dass er das Haus in Longyearbyen auf Spitzbergen bekommt, in das sie zusammen einziehen wollen:

Wir näherten uns der Gletscherwand und konnten die frischen Abbrüche sehen. Kleinere Eisberge schwammen herum und wurden bewundert. Langsam gewöhnte ich mich ans Boot und begann, Spaß zu haben. Die Berge, das Eis, die ruhige Atmosphäre waren umwerfend – zumindest wenn mal keiner redete.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Der endete in der Sackgasse Torsukattak. Wir hatten gehofft, dort übertragen zu können, aber das hoch aufgeschobene Geröll machte uns klar, dass das nichts wird. Hier war es schwierig, passende Schlafplätze für alle Zelte zu finden und es gab wegen der unterschiedlichen Bedürfnisse das erste Mal Gruppenstress. Zum Abendessen gab es frisches Walfleisch, das Calle besorgt hatte. Ich probierte es gerne und es war wirklich lecker. Der Walfang ist streng reglementiert, das Fleisch, das man im Verkauf bekommt ist nicht gewildert. Nicht alle konnten sich aber damit anfreunden und sehen die Jagd durch die Inuit als komplett falsch an.

25.7.16

Morgens war ich froh, hier weg zu kommen. Ich hatte kein gutes Gefühl an diesem Ort und schlecht geschlafen. Wir bogen ab in den großen Ammassalik-Fjord. Hier schwammen nun schon richtig dicke Brocken herum. Wir paddelten unter hohen Felsen die östliche Seite nach Norden. Gegen Mittag kamen wir zu einem wunderhübschen Sandstrand mit großer Wiese dahinter. Man konnte sehen, dass hier öfters campiert wird. Für uns war es aber noch viel zu früh. So lagen wir lange in der Sonne herum und konnten uns irgendwann doch aufraffen, wieder in die Boote zu steigen. Das wurde zur Schlammwaterei: die Ebbe hatte uns das Wasser geklaut und wir mussten weit rein laufen.

Das passierte uns bei jeder Pause. Entweder die Boote mussten immer wieder höher getragen werden, weil das Wasser mehrere Meter stieg oder wir wateten und kletterten dem Wasser hinterher.

Die lange Strecke am Fjord entlang lief zügig, wir hatten schöne Ausblicke auf die Berge und in die angrenzenden Seitenarme. Links lagen große Eisberge: es gab ständig was zu gucken. Als wir uns unserem geplanten Lagerplatz näherten trennte sich die Gruppe. Die einen wollten einen großen Eisberg erkunden, die anderen schauten mit dem Guide, ob es in der anvisierten Bucht Wasser gibt und wir Plätze für die Zelte finden. Beides sah gut aus, so konnten wir landen.

Unsere Nacht verbrachten wir also wieder auf einer Landzunge, diese mit dem schönen Namen Ikaasa Ittiva. Dieser Abend bleibt mir aus zwei Gründen in Erinnerung. Das Paddeln auf den letzten Kilometern war sehr mühsam, da dachte ich noch: war halt ein langer Tag. Als ich das Boot raus zog, kam es mir viel schwerer vor und der Schock kam mit dem Öffnen der hinteren Luke: sie war bis zur Wasserlinie voller Wasser. Das hieß auch: die Leih-Packsäcke hatten nicht dicht gehalten und alle meine Klamotten, Zelt und Isomatte schwammen. Trocken war nur noch das, was ich am Körper hatte und die Lebensmittel in der vorderen Luke. Alles musste raus und getrocknet werden. Damit hatte ich den ganzen Abend gut zu tun, fror in der Nacht bei meiner Eisbärwache jämmerlich und war abgrundtief frustriert. Was sollte das für eine Tour werden, wenn ich kein sicheres Boot hatte? Die große Fjordüberquerung sollte erst noch kommen. Wir haben hier ja keine Heißklebepistole, um den Riss im PE zu flicken.

Der zweite Eindruck am Übernachtungsplatz waren die Kathedrale und die Wale. Uns gegenüber lag ein riesiger Eisberg mit einer Höhle darin. Bei der Anfahrt zum Platz hatten wir ihn schon gesehen, die Nacht über hing er am Grund fest und bewegte sich kaum. Er musste wohl noch etwas abschmelzen, bevor er über dem 300 m tiefen Grund weiterkam. Die ganze Nacht über hörte man die Wale nah vorbei schnaufen und  weder streunte ein kleiner Fuchs um das Lager. Mein Zelt stand wieder oben auf einem Hügel und ich hatte während der Bärenwache einen wunderbaren Blick über den Fjord, die Kathedrale, die sonnenbestrahlten Wolken, den Vollmond und die Umgebung.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

26.7.16

Am Morgen war alles Wichtige halbwegs trocken und Calle hatte sich um das Flicken des Bootes gekümmert. Nur provisorisch mit Klebeband und Flüssigkleber, aber er war optimistisch. Ich packte Schlafsack und warme Sachen in die kleine vordere Luke und auf das Deck und wasserdichte Lebensmittel nach hinten und los ging es. Die Kathedrale hatte sich nur wenig bewegt, sie hing immer noch fest. Das war toll, so konnten wir sie noch in Ruhe anschauen. Ganz nahe ran bin ich nicht gepaddelt. Zu groß war der Respekt vor der Welle, die entsteht, wenn etwas abbricht. Calle hatte klare Regeln angesagt, wie weit noch halbwegs sicher ist und das blieb auch mein Maßstab.

Die Mittagspause verbrachten wir wieder an einem Sandstrand. Immer muss man schauen, ob gegenüber ein Gletscher liegt oder ein großer Eisberg. Der Tsunami kann schnell mehrere Meter hoch werden und die Boote wegschwemmen. Man sieht ihn nicht kommen. Erst kurz vor dem Ufer, wenn es flacher wird beginnt das Wasser sichtbar zu schäumen und zu steigen, aber dann ist es zu spät.

Direkt vor uns sahen wir schon wieder Buckelwale. Mal einen allein, mal zu zweit, immer mit beeindruckender Fontäne. Nach 6-8 mal Auftauchen und Prusten steigen sie einmal höher und tauchen mit aufgerichteter Flute ab. Diesen Moment mit der Kamera zu erwischen war ganz schön schwer. Die wunderbaren Tiere zu beobachten war eines der Highlights der Tour. Fast jeden Tag sahen wir mehrere, manchmal 4-6 hintereinander. Und auch Robben schauten ab und zu nach uns, umkreisten unsere Boote und tauchten wieder ab.

Wir querten einige Arme des Assammalik-Fjords, draußen schwammen riesige Eisberge. Leider hatten wir nicht genug Zeit, weiter Richtung kalbenden Gletscher zu paddeln. So steuerten wir für den Abend auf Kuummiit zu. Die erste Inuit-Ortschaft, in der wir Zeit hatten. Das Finden des Schlafplatzes gestaltete sich schwierig. Wir wollten außerhalb der Sichtweite bleiben, brauchten aber auch ein paar ebene Fleckchen. Endlich hatten wir unseren Platz gefunden, bauten auf und schlenderten ins Dorf. Inuit-Häuser sind bunt angemalt, stehen wegen des Permafrostes auf Stelzen, und haben eine Treppe. Wir trafen eine Menge Leute, die uns mal ignorierten und mal freundlich grüßten. Viele Kinder spielten auf den Wegen und überall waren Huskies angeleint. Auf den Wiesen stand Wollgras und an manchen Häusern hing Fisch zum trocknen. Es gab also viel zu sehen. Auch einen Supermarkt fanden wir, in dem wir nochmal Kleber für mein Boot kauften. Und natürlich wurden ein paar Lebensmittel ergänzt.

Für meine Essgewohnheiten war es auf der Tour recht schwierig. Alle liebten süße Dinge und zum Frühstück und allen Pausen gab es jede Menge Süßigkeiten, süßen Porridge mit Trockenfrüchten, Nutella und Brot. Ich versuchte, ein bisschen mehr Eiweiß zu bekommen und schaute, dass ich Zucker mal durch eine Thunfischdose oder Käse ersetzen konnte. Am Ende hatte ich meinen Jahresbedarf an Süßem gestillt und biss genussvoll in eine Salami, die in Kulusuk auf mich gewartet hatte.

Auf dem Rückweg vom Dorf wusch ich meine Haare an einem Wasserhäuschen, das tat gut! Am Abend tobten ein paar junge Huskies und zwei-drei Kinder durch unser Lager, aber irgendwann wurden alle gerufen und es kehrte Ruhe ein. Schnell schlief ich ein, die Nacht wurde super, denn heute war keine Bärenwache nötig 🙂

Diese Diashow benötigt JavaScript.

27.7.16

Morgens besuchten uns wieder die Jungs aus dem Dorf und einige Hühner. Wir kamen spät los, bei einigen war die Energie raus. Der Weg führte uns über einige kleinere Fjordarme den Ammassalik-Fjord wieder Richtung Süden.

In einer Bucht machten wir eine lange Pause, Calle und ich gingen weit spazieren und erkundeten die Halbinsel. Am Boot zurück dokumentierte ich das Unterwasserleben. Pflanzen gab es in Küstennähe immer viele. Regelmäßig waren auch kleine und sehr große Quallen zu sehen. Fische gab es kaum, auch unser Angler hatte bisher keinen Erfolg.

Wir paddelten an mehreren Gletschern vorbei, konnten weit in die Buchen schauen und die dahinter hoch aufragenden Berge bewundern. Recht früh landeten wir am Abend in einer der Buchten. Unsere Halbinsel hieß Salivartivaq. Diesmal mussten wir weit hoch laufen, um ebene Flächen zu finden. Umso schöner war der Ausblick von dort. Und natürlich bekam mein Zelt einen Platz on the top 🙂 Da wir so früh waren konnte ich eine schönen langen Spaziergang machen. Mein Zelt war ja mein eigenes, das Staika lässt sich in 5 Minuten aufbauen und in max. 15 Minuten war es eingerichtet. So war ich immer schnell fertig mit der Arbeit und konnte mir die Gegend anschauen und Wasser holen, bevor die anderen fertig waren und es ans Kochen des Abendessens ging.

Diesmal gab es Pizza. Eine super Idee! Viele verschiedene Zutaten kamen auf mexikanische Fladen, Käse drüber, zusammenklappen und in die Pfanne mit Deckel. Sooo lecker! Sonst gab es campingtypisch Reis oder Nudeln mit Soße. Daher war das hier was ganz Besonderes.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

28.7.16

Morgens war ich prima ausgeschlafen und früh wach. Nach dem Zusammenpacken hatte ich wieder viel Zeit zum Spazierengehen und Fotografieren. Der Ausblick war ein Traum und auf der anderen Seite unseres Hügels war es auch noch völlig still.

Zurück am Boot fotografierte ich noch ein bisschen unter Wasser bis es losging. Hier fanden sich nun auch Muscheln und ganz andere Pflanzen. Unser Angler hatte endlich Glück und holte einen skurrilen kleinen Fisch heraus. An ihm war nichts dran, also durfte er wieder ins Wasser und schaute nochmal entsetzt zurück in die Kamera.

Wir bogen ab in den schmaleren Fjord Ikaasatsivaq und zelteten auf einer Halbinsel mittendrin. Entscheidend für die Platzwahl wurde zunehmend die Verfügbarkeit von Wasser. Ich begann, unterwegs kleine Eisstücke zu sammeln und mein Trinkwasser auf dem Bootsdeck zu schmelzen. Die Eisberge stammen aus einem mindestens 110.000 Jahre altem Eisschild. Sehr spannend, sich das vorzustellen! Oft gab es Abflüsse aus Schneefeldern. Das Wasser aus kaum fließenden Rinnsalen mochte ich aber nicht so gerne. 

Der Abend war geprägt von Walbeobachtungen und einem traumhaften Sonnenuntergang am Ende des Fjords.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

29.7.16

Morgens 3.00 Uhr hatte ich Bärenwache und ging mit der Kamera los. Die ersten Bilder sind also echte Nachtaufnahmen 😉 Es war wahnsinnig beeindruckend, jede Nacht diese völlige Stille und die Eiseskälte zu erleben. Das ist wirklich eine ganz besondere Atmosphäre. Nur ein gelegentliches Prusten zeigt, dass wir nicht allein hier sind. Schlafende Wale treiben vorüber. Irre. Lange saß ich im Schlafsack ganz oben und genoss diese Zeit. 5.00 Uhr ging es dann wieder ins Zelt zurück, um noch ein bisschen Schlaf zu bekommen.

Nach dem Zusammenpacken paddelten wir den Fjord entlang mit dem Ziel Tiniteqiilaq. Uns trieben mehrere große Eisberge entgegen, manche saßen fest weil ihnen die 400 m Tiefe nicht ausreichten. Das kann man sich gar nicht vorstellen…  Rechts und links ragten die Bergketten auf, in den Tälern lagen Gletscher. Kurz vor dem Ziel floss von rechts ein Gletscherfluss in den Fjord, seine graue Gletschermilch vermischte sich eindrucksvoll mit dem klaren Eiswasser des Fjords.

Zum wiederholten Mal gab es an diesem Tag Ärger mit einem Gruppenteilnehmer, der eigene Wege paddeln wollte und die Gruppe verließ. Eine ganz ungute Situation für den Guide, der für die Sicherheit aller zuständig ist und nicht einzelnen folgen kann.

In der Bucht vor Tiniteqiilaq landeten wir an, um hier zwei Nächte zu bleiben. Abends hatte ich dann auch Grund zum Ärgern. Mein Kajak hatte die ganze Zeit halbwegs dicht gehalten. Ich vermied jedes Schrappen über Steine, stieg immer schon im Wasser aus und achtete sehr darauf, es zu heben, auch wenn mir das mit dem beladenen Boot sehr sehr schwer fiel. Nun konnte ich sehen, wie andere es schleifend über die Steine zogen, obwohl ich daran erinnert hatte. Leider hatte das Ganze tatsächlich Folgen: am nächsten Paddeltag war die Luke wieder undicht und Zelt und Ersatzklamotten wiederum nass. Wichtige Dinge hatte ich immer auf Deck, aber dichte Packsäcke gab es nunmal nicht. Ärgerlich und unnötig.

Mein Zelt fand einen tollen Platz direkt oberhalb des Wassers, den entsprechenden Eingang ließ ich ganz offen, sodass ich einen tollen Blick beim Einschlafen und Aufwachen hatte.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

30.7.16

Dieser Tag wurde unser erster Ruhetag. Ich hatte bisher noch keinen vermisst, fand es aber schön, auch mal mehr laufen zu können. Bis hierhin hatten wir täglich nur Sonne. Es war der erste Tag mit bewölktem Himmel, Regen gab es aber keinen. Gut so, dann wird es beim Laufen auch nicht so heiß. Sobald die Sonne schien, war es tagsüber in den Trockenanzügen sehr kuschelig. Sonst reichten T-Shirt und leichte Jacke aus. Abends, ohne Sonne wurde es sofort knackig und fiel morgens auf nur knapp über null Grad. Morgens waren die Wasserläufe ab und zu gefroren. In meinem dicken Daunenschlafsack ging es mir prima, ich wachte immer sehr erholt und unternehmungslustig auf.

Wir wanderten also einen weiten Taleinschnitt hinauf, kletterten über Felsbänder und stiegen höher und höher. Meinen Knien ging es überraschend gut und ich hatte viel Freude in dem kargen Gestein mit kleinen Blümchen. Oben angekommen tat sich uns ein grandioser Blick auf. Über den Sermilikfjord hinüber bis zum Inlandeis konnten wir schauen. Dort geht es viele tausend Kilometer und bis zu 3366,5 m stark so eisig weiter. Eine ganze Weile saß ich da und genoss den Ausblick. Zwei Tage später sollten wir diesen breiten, windigen Fjord voller Eisberge, groß wie ein Flugzeugträger, überqueren. Mir war gar nicht wohl dabei, wenn ich an mein undichtes Boot dachte. Dann musste ich den anderen hinterher.

Auf dem Rückweg trennten wir uns und ich ging mit einem Teilnehmer durch eine tiefe Schlucht zurück zum Camp. Wir wollten beide in Ruhe fotografieren und die Gegend noch genießen. Die Farben in dieser Steinwüste sind gar nicht langweilig. Bunte Blumen, interessante rot-gelb-braune Felsstreifen vulkanischen Ursprungs und schwarze Lavabomben fanden wir. Steil kletterten wir am Ende direkt über unserem Camp hinunter und hatten einen ruhigen Abend.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

31.7.16

Am Morgen weckte mich Vogelgezwitscher. Ich war überrascht und suchte nach dem Verursacher. Der schaute mich vom Felsen aus an und zwitscherte einfach weiter. Was für ein toller Tagesbeginn!

Das Tagesziel Tiniteqiilaq lag nicht weit entfernt. Im Dorf wollten wir einkaufen, besonders brauchten wir Gas zum Kochen. Leider gab es kein Gas und Calle kaufte einen Spirituskocher, der aber nicht funktionierte. Den Rest der Tour sparten wir heftig am Brennstoff, Tee wurde rationiert und ich baute abends einen Hobo aus einer Dose, um genug Warmes zum Trinken zu haben.

Im Supermarkt gab es alles, was man brauchen könnte. Die Inuit werden gut versorgt, um das Leben angenehm zu gestalten und die Abwanderung zu begrenzen. Es wird viel Alkohol getrunken, auf der Straße sieht man jede Menge rauchende Erwachsener.

In Tiniteqiilaq machten wir einen ausgiebigen Spaziergang. Wir besuchten die Kirche und schauten lange beim Fußballspiel auf dem Dorfplatz zu. Die Häuser waren geschmückt und die Menschen schick angezogen. Es schien ein besonderer Tag zu sein, an zwei Häusern wurde gegrillt und gefeiert.

Müll ist in den Dörfern ein Problem. Es verrottet ja nichts und Abwasseranlagen gibt es weder für normales Wasser noch für die Toiletten. Um die Häuser herum liegt alles, was man gerade so braucht und auch was man gerade nicht mehr braucht. Die Bewohner haben andere Prioritäten.

Im Anschluss besuchten wir ein Café, zu dem uns ein Schild führte. Hier begrüßte uns fröhlich eine junge japanische Künstlerin, die Postkarten gestaltet, Bekleidung und Schmuck aus Robbenfell und Metall herstellt und Café, Kekse und Konzerte anbietet. Ihr französischer Mann war gerade unterwegs. Wir blieben eine ganze Weile und hatten eine lustige Unterhaltung. Meine Mama freute sich Monate später über eine Postkarte aus Grönland 🙂

Währenddessen reparierte Calle mit neuem Kleber mein Boot. Wie befürchtet war der Riss wieder offen, auf den Steinen trockneten Zelt und Klamotten. Am nächsten Tag sollte vor der Fjordquerung genau kontrolliert werden, ob ich damit paddeln kann. Die Spannung brauchte ich eigentlich gar nicht. Vor den 4 km über offenes Wasser hatte ich eh schon riesengroßen Respekt. Innerhalb der Gruppe war ich die Einzige ohne Seekajak-Erfahrung. Der Kurs, den ich zur Vorbereitung gemacht hatte, war leider völlig unzureichend gewesen und hatte mir nicht viel Sicherheit gebracht. Immerhin hatte ich jede Menge Paddelkondition und -erfahrung, weil ich ja seit Monaten regelmäßig und viel auf dem Wasser war. Und da das Campen für mich entspannender Alltag war, blieb die Gesamtsituation unstressig. Nur musste nun das Kajak mitspielen.

Gegenüber Tiniteqiilaq suchten wir in einer Bucht einen passenden Platz zum Campen. Leider zwischen zwei Bergrücken, aber so nah am Dorf und an einer Hunde-Insel brauchten wir vermutlich keine Bären zu fürchten. Die Schlittenhunde bewohnen hier eine eigene Insel. Dort werden sie versorgt, brauchen aber sonst keine Beaufsichtigung und können ohne Leine leben.

Wir fanden Treibholz und waren ganz froh, mal ein Feuer machen zu können. Die gemeinsamen Abende fielen wegen der Kälte und der wenig kompatiblen Gruppenmitglieder immer eher kurz aus. Danach wanderte ich noch auf den Bergrücken. Der zog sich. Immer und immer wieder hatte ich keine komplette Aussicht und so wanderte ich immer weiter. Gegen 23.00 Uhr war ich endlich weit genug am Fjord und dort blieb ich lange sitzen. Eisberge, Stille, Alleinsein. Sehr genial! Und plötzlich gab es dazu noch ein hübsches Feuerwerk drüben im Dorf. Spät schlenderte ich langsam zurück und traf noch auf Calle, der auch unterwegs gewesen war.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

1.8.16

Am Morgen paddelten wir nochmal nach Tiniteqiilaq. Das Kajak bekam eine weitere Umbändelung und von mir einen Namen und im Supermarkt wurden die Vorräte ergänzt. Dadurch waren wir schon recht spät, als wir zum großen Eisfjord Sermelik kamen. Eine ganze Weile paddelten wir Richtung Süden, um eine kürzere Querungsstrecke und vor Allem einen Weg durch die unglaublich großen Eisberge zu finden. Hier gab es tief unter der Wasseroberfläche eine Sperre, die die Eisberge festhielt. Daher war der Weg gar nicht so einfach. Dann gab es noch eine lange Pause und als wir endgültig starteten war es schon Nachmittag. Nicht so richtig günstig, da um diese Zeit regelmäßig der Wind stärker wurde. Mein Adrenalinpegel stand auf 1000%, ich hatte schlecht geschlafen und war fürchterlich aufgeregt. 4 Kilometer offenes Wasser mit eisigen Hindernissen, seitlichem Wind und Wellen. Calle erklärte nochmal sehr nachdrücklich, dass wir zusammen zu bleiben und Abstand zu den Eisbergen zu halten hätten. Und beruhigte mich mit ein paar technischen Tipps. Ich blieb recht nah bei ihm, mit Blick auf die anrollenden Wellen und konzentrierte mich auf das Ausbalancieren. Die Eisberge und den genialen Blick rundherum konnte ich trotzdem genießen und dass mittendrin auch noch Wale vorbei schauten, machte die Strecke insgesamt doch zu einem positiven Erlebnis.

Natürlich mussten wir manchen Meter extra paddeln, um eine gute Perspektive auf die Eisriesen zu haben und rundherum anzuschauen. Nach fast 2 Stunden kamen wir ohne Zwischenfälle drüben an. Zum Glück war die Felsnase, auf die wir zugehalten hatten auch unser abendliches Ziel. Und was war das für ein Platz! Panoramablick auf den Eisfjord, bunte Felsstreifen, kleine Blümchen, totes Mini-Holz für den Hobo und wunderbare ebene Plätzchen für die Zelte. Ich fand eine Traumstelle hoch über dem Wasser und mit privater Sitzbank. Der Berg über unserem Platz hieß Qertartivatsiaq und war 400 m hoch, wir schliefen auf der Felsnase Iserpalivitseq. Wirklich eine interessante Sprache ist dieses Inuit.

In dieser Nacht habe ich wenig geschlafen. Ich musste gucken und schlafenden Walen zuhören und mit dem schreckhaften Fuchs sprechen, der unsere Vorräte untersuchte. Eisbären haben wir übrigens nie gesehen. Zum Glück, denn schon längst gab es massive Lücken in unseren Bearwatch-Zeiten.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

2.8.16

Auf dieser Insel blieben wir 2 Nächte. Der andere Teil der Gruppe paddelte in einen kleinen Fjord dahinter und kam sehr spät und sehr kaputt wieder am Zeltplatz an. Ich fand eine Pause von der Gruppendyamik prima und mich lockte der Qertartivatsiaq. Es musste eine absolut geniale Aussicht von dort oben sein! Wir waren am Rad des Sermilik- und am Eingang des Johan-Petersen-Fjords. Ich saß also nach Abfahrt der anderen noch eine Weile auf meinem Felsen, hatte einen kleinen gefiederten Freund, der meine Krümel pickte  und schaute den Walen zu, die in ansonsten absoluter Stille schnauften und ihre Flute empor streckten.

Dann packte ich die Bärenwaffen Pfefferspray und Schreckschusspistole, ein Picknick, Hobo-Tee und die Kamera ein und wanderte bergauf. Ein bisschen Klettern war dabei, aber es blieb alles sehr übersichtlich. Auf halbem Weg pausierte ich im Heidelbeerfeld und futterte mich durch. Geradeso konnte ich mich beherrschen, größere Brocken dieser bunten Felsen einzupacken. Kleine Bröckchen mussten aber mit. Und irgendwann war ich oben.

Wow! Welch ein Ausblick! 400 m unter mir die Eisriesen, manche so groß wie das Dorf auf der anderen Seite der Sermilik. Es war nur schlecht zu erkennen, aber doch sichtbar. Auf der anderen Seite der Johann-Petersen-Fjord ebenso mit Eisbergen und dem Inlandeis als Krönung.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Zurück am Camp kochte ich mir Kaffee und setzte mich auf die Felsen vor meinem Zelt. So ein genialer Ort!

In einer Badewanne, die von der Flut gefüllt war und nach dem Sonnentag hoffentlich 1,5° wärmer war als das Eiswasser wusch ich mich und meine Haare. Sehr erfrischend und sehr nötig nach den Tagen im Boot. Unten am Wasser entdeckte ich den kleinen Bruder unseres Fanges: den entsetzten Fisch.

3.8.16

Die nächtliche Bärenwache war wieder grandios. Ich musste um 1.00 Uhr aufstehen und habe jede Minute genossen. Die Stille, die Wale, die Eisberge, völlig klarer Himmel. Sorry, ich wiederhole mich 🙂  Nie hätte ich geglaubt, so etwas wirklich erleben zu können!

Morgens kochte ich auf meinem Hobo Tee, eine Bartrobbe kam kurz vorbei und gemächlich starteten wir zu unserer letzten Wander-Etappe.

An diesem Tag sollten wir unser Ziel im Johan-Petersen-Fjord erreichen. Wir paddelten noch zum Brückner-Gletscher und waren schwer beeindruckt von der Höhe der Eiskante. Dann drehten wir um und erkundeten noch die Küste nach einem guten Platz, an dem uns das Boot am übernächsten Tag abholen könnte. Wegen der Tide war das gar nicht so leicht abzuschätzen. Am Nachmittag schlugen wir unser Lager auf einer nahezu vegetationsfreien Insel mitten im Fjordbogen auf, umgeben von 5 kolossalen Gletscherzungen, die vom Inlandeis hinabfließen. Und jetzt gibt es Eis zu sehen. Viel Eis 🙂

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ich kochte abends mein während des Tages geschmolzenes uraltes Eiswasser im Hobo und spazierte noch ein bisschen am Ufer entlang. Der Inuit-Name für den Fjord war Qeertartivatsaap Kangertiva, unsere Insel hieß Imraikkeertikajik. Um uns herum sahen wir den Heimgletscher, den Haangletscher, den Brücknergletscher (Apuseerajik) und zwei, meiner Karte nach, namenlose Gletscher. Über uns lag das Inlandeis. Entsprechend kalt war es auf unserer Insel und am Morgen gab es kein Teewasser: alles war gefroren. 

4.8.16

Zwischen 1.00 und 3.00 hatte ich wieder Bärenwache. Hier wurde es echt kalt und ich war froh, einen perfekten Zeltplatz zu haben, von dem aus ich im Schlafsack und im Zelt die ganze Gegend überschauen konnte. Wir mussten im Moment besonders wachsam sein, da wir eine Bärenwarnung von einer anderen Gruppe bekommen hatten.

Wegen der Warnung bauten wir unser Camp wieder ab und nahmen alles mit. Uns war berichtet worden, dass eine Bärin mit Kind hier gesehen wurde und eine andere Gruppe deshalb den Fjord verlassen hatte. Wenn sie unser Camp verwüsten würde, hätten wir in dieser Kälte nachts ein echtes Problem. Wir paddelten um unsere Insel herum und näherten uns weit der 50 Meter hohen Abbruchkante des Brückner-Gletschers. Immer wieder konnten wir kleineren Abbrüchen zuschauen, etwas Größeres kam aber nicht herunter. Einmal gab es eine kleine Tsunami-Welle, die aber hier auf dem offenen Wasser kaum zu spüren war. Unser Camp lag bewusst abgewandt zu allen kalbenden Gletschern. So war das relativ sicher.

Die Gruppe entschloss sich plötzlich viel zu früh, umzukehren und den gleichen Weg zum Camp zurück zu fahren. Ich wollte das nicht und paddelte weiter zum nächsten, dem Heim-Gletscher. Calle kannte inzwischen unsere Art, mit potenziell gefährlichen Situationen umzugehen und erlaubte, dass ich allein unterwegs war. Das steigerte natürlich wieder meinen Adrenalinspiegel. Aber das Wasser war super ruhig, es herrschte absolute Windstille und ich hielt grundsätzlich respektvollen Abstand zu sämtlichen Eisbergen. Ich nahm noch Eisbär-Abwehrmittel mit, damit ich zur Not irgendwo landen konnte und paddelte grinsend in die Stille des Eismeeres. Auf dem Rückweg lag ein kleines Fischerboot am Ufer, davor eine erlegte und zerlegte Robbe Ich quatschte kurz mit dem Jäger. Er schien sehr froh, etwas gefangen zu haben. Die Inuit hier jagen im kleinen Boot und mit Gewehr für den eigenen Bedarf. Leider habe ich nicht daran gedacht, ihm ein Stück Fleisch abzukaufen. Das hätte ich gerne probiert. Wir verabschiedeten uns mit guten Wünschen und dann war ich auch schon zurück am Lagerplatz. Dort musste ja noch das Zuhause aufgebaut werden.

Abends wanderten wir zum Ende der Insel mit Blick auf das Fjord-Ende. Sehr beeindruckend!

Diese Diashow benötigt JavaScript.

5.8.16

Calle hatte sich irgendetwas eingefangen, Ihm ging es gar nicht gut. Wir ließen ihn daher bei der Nachtwache aus und so kam ich in den Genuss, diese Nacht von 2 bis 5.00 Uhr draußen zu sein. Zuerst war es saukalt, später ging die Sonne gerade auf und ich verschwand nach der Ablösung nochmal im Zelt für ein Nickerchen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

An diesem letzten Tag gab es kaum noch Bereitschaft, sich auf eine gemeinsame Aktion einzulassen. Die Wanderung zum Inlandeis fiel flach, weil Calle zu krank war und sonst auch keiner laufen wollte. Er war ganz erleichtert, im Zelt bleiben zu können und behielt das Gewehr für die Bärenabwehr. Ich wollte unbedingt einmal um den ganze Fjordbogen paddeln und alle Uferseiten anschauen. Besonders reizte mich ein Eisfall ganz am anderen Ende. Die anderen waren unentschlossen und hatten sehr unterschiedliche Bedürfnisse, die sie ausdiskutieren mussten. Calle gab sein OK, setzte eine Rückkehrzeit fest und ich paddelte bald sehr glücklich los, wollte den Tag nutzen. Es war unser letzter Tag hier, das Wetter war schon wieder unglaublich toll, die Sonne spiegelte sich in dem vielfältigen Eis.

Zuerst wendete ich mich zur nördlichen Seite, um an deren Ende zum Eisfall zu kommen und paddelte etwa 4 km weit Richtung Fjord-Ende. Inzwischen hatte aber die Flut eingesetzt und so schoben sich zunehmend die Eisbrocken zusammen. Das endete damit, dass ich im Eis eingeschlossen war und zwar eine tolle Aussicht auf die Gletscher und den Eisfall vor mir hatte, aber mitten im Fjord nicht weiter kam. Nun ja. Ich trank erstmal Tee und genoss das Glucksen der Eisblasen und diese mächtige Natur. Dann wendete ich mühsam und drückte mich per Hand durch das Eis. Es gab ja immer nach und so konnte ich mich nach und nach herausarbeiten.

Im Südwestzipfel des Fjords lag die Gletscherkante hinter einer kleinen Landzunge. Hier wollte ich landen und im Schutz der Felsen zu Fuß zum Gletscher gehen. Die Flut kam leider sehr zügig und das Ufer blieb lange flach. Ich hatte Sorgen, dass das Boot flüchtet und fühlte mich auch zwischen den großen Eisbrocken und Felsbrocken sehr unsicher. Eine Bärin hätte ich hier viel zu spät wahrgenommen und sie womöglich erschreckt. Und die Bärin war wohl tatsächlich noch in der Nähe. Nach einem kleinen Spaziergang kehrt ich deshalb zum Kajak zurück, das dann schon wieder schwamm und betrachtete den Gletscher vom Wasser aus. Als ich um die Ecke der Landzunge paddelte wehte mir ein ganz heftiger Gletscherwind entgegen. Wow, der hatte Kraft! Weit heran wagte ich mich nicht, die Welle hätte mir durch den schmalen Auslass Schwierigkeiten gemacht und ich war nunmal viele Kilometer weit von unserer Insel weg.

Auf dem Rückweg bummelte ich durch die Eisberge, dokumentierte diesen letzten wundervollen Tag und legte am camp-abgewandten Ende unserer Insel eine Rast ein. Von oben warf ich einen letzten Blick auf den gesamten Fjord und stieg irgendwann seufzend zum letzten Mal ins Boot.

Eisberge sind einzigartig – jeder für sich

Jeder ist gleich in seiner grundsätzlichen Zusammensetzung und seinem Ursprung. Jeder ist anders in Form, Farbe, Details. Jeder hat etwas Spezielles, Eigenes, Schönes, Interessantes.
Manche glitzern, andere sind matt, durchscheinend, voller Steinchen oder farbig, sie haben glatte spiegelnde Oberflächen oder schneeige raue, sind kompakt und rundum geschlossen oder verästelt und löchrig, haben alle Größen zwischen riesig oder winzig. Manche ähneln Enten, andere Krokodilsmäulern, Bäumen oder Burgen.
Jeder verändert sich permanent, verliert Masse, ändert seine Form, schnell oder langsam, ganz leise, mir ruhigem Knirschen, knacksendem Trennen oder mit ohrenbetäubendem Krachen. Manche glucksen ständig, manche hört man gar nicht. Alle bewegen sich: um sich selbst, in der Tide und im Wind und aneinander. Und irgendwann ist jeder von ihnen in sein Element aufgegangen: Wasser.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

6.8.16

In unserer letzten Nacht hatte ich ab 5.00 Uhr Wache und ging danach gar nicht mehr ins Zelt. Ich schaute genüsslich der Sonne beim Aufgehen zu, packte in Ruhe mein Geraffel, versuchte, dem Schneefeld Wasser zu entlocken, kochte nochmal Hobo-Tee, bereitete das Frühstück vor und saß dann lange auf dem Felsen hinter unserem Camp.

            

Gegen Mittag kam das kleine Motorboot, um uns abzuholen. Das Anlegen geschah routiniert und unerschrocken, dann wurden mühsam Gepäck, Kajaks und Menschen verladen und wir schuckelten aus dem Fjord hinaus, zurück nach Kulusuk. Ich fand einen guten Platz auf den Kajaks, in die Kabine wollte ich gar nicht. Calle war sicher froh, dass alles gut gelaufen ist und es ihm ein bisschen besser ging. Die Bootsfahrt mit dem knackigen Wellengang strengte meinen Magen ziemlich an, der Fahrtwind war eisig kalt, aber wir konnten nochmal einen anderen Teil des Sermilik sehen. Der Bootsführer hatte einen Freund und seinen Sohn dabei, so war für Unterhaltung gesorgt.

Angekommen in Kulusuk entluden wir die Kajaks, schleppten alles Gepäck zum Hostel und duschten erstmal. Zumindest kurz, Wasser ist hier knapp. Ich konnte mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, im Lager mit 10 Menschen zu schlafen und baute mein Zelt auf der Terrasse auf. Die Ansage von Anna vom Hostel lautete: wenn die Hunde anschlagen musst du schnell rein kommen, dann ist ein Bär im Dorf. Okeeeee.

Zum Abendessen hatte sie uns einen mächtigen Fisch gebracht, der in der Pfanne nach und nach gebraten wurde. Mit Kartoffelbrei war das ein ganz wunderbarer Genuss. Danach saß ich noch eine ganze Weile mit französischen Geologen, die auch hier wohnten, im Wohnzimmer zusammen. Es wurde ein lustiger und informativer Abend mit reichhaltigem Tee 🙂 Ich schlief glücklich ein und ohne Störungen durch.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

7.8.16

Am Morgen weckte mich die frühe Sonne. Ich spazierte durch Kulusuk und traf nur ganz wenige Menschen. Hier war gestern eine Samstagabend-Party, da brauchten wohl alle morgens etwas länger. Nachdem ich zusammen gepackt hatte, setzte ich mich mit Brot und Salami vor das Hostel, schaute den spielenden Hunden zu und wurde plötzlich von einer Frau im Haus gegenüber heran gewunken. Sie lud mich zum Kaffee ein. Na, gerne doch 🙂 Drinnen gab es superstarken Kaffee und Kuchen, zwei Frauen, Schwestern, erzählten mit Gestik und Mimik von ihrer Familie, zeigten alle Bilder, die sie so hatten und waren ganz begeistert, dass ich tatsächlich rein gekommen war. Sie meinten, das würden Touristen sonst nicht tun. Hm. Ich fand die Einladung super nett. Ich konnte mich immerhin mit Bildern auf dem Smartphone revanchieren. Nach und nach kamen die Herren des Hauses: sehr verkatert und müde sanken sie grinsend direkt auf’s Sofa. Dort wurden sie mit Kaffee versorgt und von den Mädels gönnerhaft belächelt. Eine nette Familie 🙂

Irgendwann musste ich los. Wir ordneten noch die Ausrüstung und wurden dann mit dem Pickup zum Gasthaus gebracht. Dort gab es nochmal ein leckeres Buffet und schon mussten wir aufbrechen zum Flieger.

Auf dem Rollfeld spazierten wir zur Maschine, Kapitän und Steward kamen auch gerade.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Der Flieger war sehr leer. So konnten wir die Seite wechseln, je nachdem, wo es etwas zu gucken gab. Und es gab jede Menge! Das Inlandeis, die Berge und unter uns die Eisriesen im Meer.

 

Nach kurzer Zeit begrüßte uns dann schon der Snaefellsness in Island.

In Reykjavik angekommen trampte ich zum Campingplatz, richtete mich ein und schaute mal, was es in der Reste-Ecke gibt. Es reichte für ein kleines Abendessen mit Tomaten, Gurke und Käse. Mnjam! Und ich musste nicht nochmal los zum Supermarkt. Drei Tage hatte ich nun Zeit, um im Hotpot zu wässern, das heiße Wasser zu genießen und meine Klamotten zu waschen und zu trocknen. Nach diesen drei Tagen war ich fit und erholt und aufbruchsbereit, um die letzten Wochen meines Sabbaticals in Norwegen und Schweden anzugehen.

Ich bin so froh, diese Reise gemacht zu haben. Gerne würde ich nochmal hinfliegen und auf eigene Faust unterwegs sein. Die Westküste soll ja ganz interessant sein. Und da Calle auf Spitzbergen wohnt, wäre das dort die Chance, einen prima Guide zu engagieren 🙂

Advertisements