Die zwei Tage Schönwetter-Fenster sind bis zum letzten Moment ausgenutzt.
Gestern bin ich am trüben, nebligen Vormittag in ein nahes Hochtal gefahren und nett in der Sonne spazieren gegangen. Andere Paddler sind da schon gestartet, sie habe ich später wieder getroffen.

image

image

image

Mittags wieder runter, immerhin konnte man dann schon die Berge erkennen. Also Klamotten an, Boot gepackt und hinein in den bis zu 500 m tiefen Lysefjord. Wassertiefe! Oben rauf geht es bis zu 1084 m auf die Kjerag.
Die Paddelei begann gemütlich, aber man musste sich schon konzentrieren. Immer mal wieder kommt eine große Autofähre vorbei, der Wind spielte lustige Spiele und vor lauter Staunen darf man nicht vergessen, dass man sich auf einem Großgewässer befindet. Und da ich allein unterwegs bin, darf da nichts passieren.
Der 600 m steil aus dem Wasser ragende Preikestolen war am oberen Ende von den tief hängenden Wolken abgeschnitten. Der Fjord wirkte bedrückend düster und bedrohlich. 

Dazu kam der zunehmende Wind, zum Glück aus West, also für mich von hinten. Die Wellen ließen mein Bootchen tanzen, in der letzten Stunde wurde es mir dann zu viel. Die Kraft ließ nach und die immer höher werdenden Wellen waren nicht mehr lustig. Irgendwann kam endlich Flørli in Sicht.
30 km weit kam ich nach dem Start um 14.00 Uhr. Man muss ein bisschen schauen, so richtig viele Campplätze gibt es nicht. Ich zeltete also an der Siedlung Flørli, neben ein paar Häuschen einem Kraftwerk, Café und Guesthouse. Der Ausstieg an einem Schotterhaufen war extrem mühsam, die Zeltwiese mit Grillstelle dagegen sehr nett.


Das Schönste am Tag waren die Begegnungen mit den Robben. Ich liebe diese glubschäugigen Tierchen! Beim ersten Mal dachte ich, einen tauchenden Wasservogel zu sehen. Bis dieser röchelte und schnaufte. Oh! Der Schnauzbart und die Augen tauchten auf und ich war hin und weg 🙂


Später traf ich auf eine Dreiergruppe, die lustig auf und ab tauchte. Es ist sooo schön, ihnen zuzuschauen! In den zwei Tagen hatte ich sechs Begegnungen und immer blieben sie einige Sekunden um mein Boot herum.

Der heutige Morgen begann mit Sonne. Zumindest ganz weit oben war sie zu sehen. Unten im Fjord dauerte es bis 10.00, dann wurde es richtig warm. Gemütlich trödelte ich die 15 km bis Lysebotn. Schaute in manche Felsspalte und freute mich an den hohen Wasserfällen. Wieder traf ich Robben und schaute Mövenkindern bei ihren Flugübungen zu. Die riesige Felswand der Kjerag zeigte das Ende des Fjords an.



image

image

Auf dem letzten Kilometer wurde es nochmal spannend. Der Wind war wieder stärker geworden und zusammen mit der gerade wechselnden Tide und der Begrenzung durch die Felsen bildeten sich auf dem Wasser kleine Tornados. Zweimal versuchten sie, mein Kajak zu entführen, waren aber zum Glück zu schwach. Kein schönes Gefühl, wenn sich plötzlich Wasser und Wind verändern und das Boot drehen.

Lysebotn bot dann sogar ein Stückchen Sandstrand, sodass ich problemlos an landen und auspacken konnte. Eine lange Sonnenpause mit Kaffee hatte ich mir verdient. Und der Schwatz dabei mit den norwegischen Paddlern war richtig schön.


Bis meine Fähre kam war alles getrocknet und ich konnte draußen sitzend das Panorama nochmal bei schneller Fahrt genießen. Der Prekjestolen ragte nun völlig frei und riesig über uns auf.

image

Immer noch schien die Sonne, aber die schäumenden Wellen zeigten, dass Paddeln nun keine gute Idee mehr wäre. Und so langsam zog es sich auch schon wieder zu. Heute Nacht soll der Regen wiederkommen und morgen bleiben. Klamotten und Boot sind gereinigt und fast trocken, zur Weiterfahrt morgen ist alles bereit. Ich wäre gerne ein paar Tage länger unterwegs gewesen, aber das stabile Hoch ist leider vorbei, typisch norwegisches wechselhaftes Küstenwetter wieder da.

image

image

Advertisements