Vorgenommen hatte ich mir das nicht
Aber dann war ich extrem früh wach, es lief am Morgen super, das Wetter passte, auf dem Wasser war nichts los. Also bin ich nicht nur bis Köpenick, sondern weiter durch den Kanal gepaddelt. Der war nett: ein einziges Ausflugsboot überholte mich, sonst waren keine Boote unterwegs. Am Ufer saßen immer mal wieder Leute, man grüßt sich hier freundlich. Ein paar schöne Gebäude gab es anzuschauen, aber ich kenne mich da nicht aus. Ein krasser Gegensatz zur mäandrierenden kleinen Spree vor dem Müggelsee. So viel Zivilisation!
Kilometer für Kilometer spulten sich ab. Durch die Ober- und die Unterschleuse ging es quasi ohne Unterbrechung weiter.
Aber dann wurde es zäh. Die letzten Kilometer Spree zogen sich. Da kamen die vier Nordlichter gerade recht. Ich musste vor einem wendenden Ausflugsboot ausweichen und schaute in die lachenden Gesichter auf kleinen Yachten. Alten Yachten, mehr so knuffigen Tucker-Booten mit Kajüten. Auf jedem saß ein älterer Herr. Sie luden mich zum Kaffee ein und dazu gab es Schokokuchen. Perfekt. Ich krabbelte also aus meinem Boot die Leiter hinauf und fand den perfekten Pausenplatz. Sie sind seit vier Wochen von Hamburg bis Berlin getuckert. Nun schauen sie sich die Stadt an und fahren dann wieder zurück. Vielleicht überholen sich mich irgendwo? Sie erzählten nette Geschichten von unterwegs. Einer von ihnen war mal Ruderer. Alle genossen es, auf Tour zu sein und unabhängig die Tage gestalten zu können.
Am Himmel ballten sich die Gewitterwolken, ich musste viel zu schnell wieder los.
Sehr beeindruckend: in der riesigen Schleuse Charlottenburg war ich mit meinem Mini-Kajak ganz allein und wurde netterweise trotzdem geschleust. Dann kam die Müdigkeit. Nach 30 km wollten die Arme nicht mehr. Die letzten 8 km quälten mich. Das locker Paddeln fällt dann sooo schwer und zu Gucken gab es außer dem Kohlekraftwerk auch nichts.
Irgendwann mündete die Spree in die Havel und ich konnte ein Etappenfoto schießen. Nun waren es nur noch zwei Kilometer.

In Tiefwerder fand ich beim KC Helios eine sehr freundliche Aufnahme und Unterschlupf für die Nacht. Innerhalb von fünf Minuten bekam ich Haus, Schlüssel und Kosten erklärt und schon konnte das Abendprogramm beginnen. Das Gewitter hatte sich gerade bis zur Ankunft zurückgehalten. Nun aber schnell das Boot ins Bootshaus und mit der Bierflasche auf der überdachten Terrasse gütlich gemacht. Schon brach es los.
Der KC Helios ist ein alteingesessener Verein mit einem schlichten alten gemütlichen Bootshaus aus Holz, in dem ich mich ausbreiten durfte und also auch nicht im Gewitter zelten muss. Luxus gibt es hier nicht, aber alles was man braucht ist vorhanden. Dankeschön!
Die Lage ist toll: in einem Kanal im kleinen Venedig von Tiefwerder gelegen, umgeben von Fröschen und zwitschernden Vögeln. Da kann man gut einen Abend lang allein auf der Terrasse sitzen. Die Nachbarin kam zu einem Schwatz vorbei und brachte Brot mit. Einen Supermarkt gäbe es hier nicht und ich bräuchte doch was fürs Frühstück… Sooo nett!

Ich glaub, morgen paddel ich mal ein bisschen weniger 🙂

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