Einige Tage später bin ich nun am südlichen Fuß des Rinjani auf Lombok gelandet. Der Weg hierher war abwechslungsreich. Von der balinesisches Südküste durch sehr unfallträchtigen Verkehr nach Ubud – Rollercheck und Ölwechsel – ganz früh morgens nach Padang Bai – Bangen, ob die Autofähre Bali-Lombok mich mit dem Mietroller mitnimmt: kein Thema, Rollerpapiere und internationaler Führerschein und schon gab es ein freundliches „Enjoy!“ – 4 Std. Fährfahrt mit sehr netter deutscher Bekanntschaft + 2 Std. Warten weil die Klappe nicht aufging – 3 Std. Fahrt durch kleine Dörfer, über mehrere Berge auf schlängelnden Straßen, viele Blicke auf Buchten, Strände, Palmwälder – Rast im dörflichen Warung inkl. Roller-Flaschen-Betankung – Ankunft in Kuta/Lombok: Tourischock…

Mein gebuchtes Bett stand nicht zur Verfügung, ich konnte im Arbeitsraum der Staffs schlafen, was ohne Toilette und Wasser und ständigem Besuch durch Katzen nur für eine Nacht taugte. Das Abendessen im partymäßigen Kuta war dann auch nur mäßig und mir das alles viel zu viel. Also packte ich am Morgen früh meine Sachen und machte mich auf in den Staub der Südküste. Es war erst 7.00 Uhr, zwei schöne Strände konnte ich ganz allein genießen. Bis hinüber nach Tinggit ging es zügig meist auf Asphalt vorwärts. Der Leuchtturmwärter freute sich über die morgendliche Teegesellschaft. Unterhalten konnten wir uns nur mit Gesten, das war aber sehr lustig. Die Gegend war extrem trocken, hier wächst nicht viel. Aber die Steilküste ist toll und lohnt den mühsamen Weg.

Zurück auf dem Festland hielt ich mich nordwärts. Zunächst fühlte ich mich ob der kritischen Blicke unwohl, an einer Tanke musste ich mich beschweren, um das Wechselgeld zu bekommen, die Stimmung dort unter vielen Männer war sehr unangenehm. Ich fühlte mich an die vielen Warnungen erinnert, die die Kriminalität gegenüber Touristinnen zum Thema haben. Der Versuch, möglichst selbstbewusst und deutlich aufzutreten ging gut und ich konnte mit vollem Tank davon brausen.

Wieder wählte ich die kleinen Straßen, und landete wegen einer Umleitung sogar auf schmalsten Stegen. Egal, immer den anderen Rollern hinterher. Die Schulkinder, die beim Balancieren zuschauen konnten, hatten ihren Spaß.

Kurz vor Tetebatu staute sich wieder alles, hier war Markt. Ein wirklich großer Markt, auf dem es wirklich alles gab: Früchte, Gewürze, Fisch, Fleisch, Reis, Schuhe, Töpfe, Messer, Elektronik, Klamotten, Gürtel, Taschen usw. Touristen verirren sich sicher selten hierher, die Verkäuferinnen waren sehr erstaunt und freundlich. Besonders die verschiedenen Fischangebote fand ich spannend. Gekühlt wurde hier nix. Mein Moped mit Rucksack, Helm und Jacke parkte derweil beim Tabakhändler, der mir gerne ein Pfund verkauft hätte.

In Tetebatu angekommen konnte ich mir mit der Zimmersuche Zeit lassen – nur Ankl ließ sie mir nicht. Er sprach mich an, kam aus seinem Café und kannte natürlich jemanden, der ein Zimmer frei hatte… Na, Anschauen kann ich ja mal, dachte ich und er packte sich hinten auf den Roller. An allen Cottages und Touri-Homestays fuhren wir vorbei, auf groben Sandwegen ging es immer weiter den Rinjani hoch. Wir landeten in einem Dorf mitten zwischen Kühen, Wasserbüffeln, Hühnern und Hunden. Einfache Häuser standen hier und die Leute schauten sehr freundlich. Eine junge Frau lud uns ein, herein zu kommen. Sie wohnt momentan allein hier, das Zimmer ihrer Schwester ist gerade leer und ihr Mann arbeitet in Malaysia. Ganz rührend machte sie Kaffee, die halbe Verwandtschaft der Straße wurde zusammengetrommelt und alle betonten, ich solle mich wie zu Hause fühlen. Mein Roller wurde geparkt, das Gepäck rein gebracht und Pläne für den Verlauf der nächsten 5 Tage geschmiedet. Das Zimmer war schnuckelig in rosa, alles, auch Bad und Küche indonesisch schlicht aber gemütlich. Innerhalb einer halben Stunde war ich in die Familie aufgenommen und konnte nicht mehr weg. Der Zimmerpreis inkl. Frühstück, Dinner und Familienanschluss war völlig ok. Die Männer sprachen gut Englisch und erzählten begeistert und reflektiert von ihrer Sasakkultur, ihrem entspannten Verhältnis zur moslemischen Religion und den Unterschieden zwischen den vielen indonesischen Inseln.

Nach einer Ruhepause machte ich mich zu einem Rundgang durch die Reisfelder und zum Affenwald auf. Von den seltenen schwarzen Affen konnte ich sogar einen Chef hoch auf einem Baum entdecken. Die Grauen liefen in Gruppen herum, hatten einige Babys und waren ziemlich aggressiv. Also Abstand halten! Einige große Schmetterlinge begegneten mir und sogar einen richtig großen Waran entdeckte ich. Leider war er für’s Foto zu schnell. Eine lange Pause in einem der Liegehäuschen mit Blick auf den 3700 m hohen Rinjani machte mich wieder fit.

Zurück im Haus gab es wieder Kaffee und alle ruhten über die heiße Mittagszeit. Ich machte mich mit dem Roller auf, die Gegend ein bisschen zu erkunden. Dabei landete ich im Nationalpark, die Fahrspur wurde immer schmaler und mir folgte ein anderer Rollerfahrer. Hm, das war kein gutes Gefühl. Also lass ich ihn mal vorbei, dachte ich. Natürlich hielt er bei mir und war sichtlich geschockt als ich den Helm absetzte. Eine Frau! Hier im Wald, mit dem Roller und auch noch schnell. Nachdem er sich gefangen hatte lud er mich ein, eine Runde durch den Park zu fahren. Wir waren uns einig, dass das nicht erlaubt war aber keiner danach fragt. Er liebt das Offroad-Fahren wie ich und erkundet immer neue Wege rauf Richtung Vulkan. Nur bis hoch hat er es noch nicht geschafft… An schöne Aussichtspunkte kamen wir, allein wäre ich hier nie weitergefahren. Zum Glück brachte er mich auch wieder aus aus dem Wald und übrigens, ich solle dem Bruder meiner Vermieterin schöne Grüße von Edy sagen. Sie waren ja letzte Woche zusammen auf dem Berg…

Zurück in Tetebatu fand ich zum Glück ein Café mit Wifi und konnte mal schnell zu Hause Bescheid sagen, bevor ich vermisst gemeldet würde. Im Dorf oben gab es kein Netz und schon in Kuta hatte ich keines.

Für den Nachmittag war Stickfighting angekündigt. Ich dachte erst, das wird so ein Touriding. Aber nein, es war das Finale einer Meisterschaft, bei dem ganz hohe Gouvermentleute von Lombok, Militärs und wichtige regionale Köpfe zu Gast waren. Wow, es ging zur Sache! Und die Verletzungen durch die Schläge waren nicht ohne. Begleitet hat mich , der sich auch freute, die Kämpfe anzuschauen. Völlig aus dem Häuschen war er allerdings, als ich ihn am Ende mit den Gewinnern fotografieren konnte. Das seien echte Stars in Lombok und er müsse die Bilder sofort auf Facebook posten. Daher müsse er jetzt los zu einem Kumpel mit Netz. Verständlich.

Zu Hause hatte gekocht, es strömt ein wahnsinnig leckerer Geruch schon aus dem Haus heraus. Yammi: Reis,  verry spicy Minifish, salatartiges warmes Grünzeug, Sprossencurry mit Zwiebeln, Tempeh. Danach gab es Tee und schon fielen wir, und ich, in einen gemütlichen Alltagsabend: Tee, Tempeh-Chips, Sofa, Fernsehen, Freundin.

Was war das für ein wunder-voller Tag!

Die Einschlafgeräusche passen dazu: direkt nebenan muht sich die Kuh in den Schlaf, irgendetwas kruschtelt auf dem Dach herum und in den Bäumen fiept und pfeift es. Um mein Moskitonetz bin ich heute ganz froh.

Bilder muss ich nachreichen, hier ist wieder zu wenig Netz.

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