An den beiden Tagen in Amed habe ich schöne Dinge erlebt, so richtig wohl gefühlt habe ich mich dort aber nicht und essen mochte ich auch nicht. Deshalb wollte ich wieder in die Berge. Die große Calderarand um den Krater Batur herum war mein erstes Ziel.

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Ich wählte eine kleine Straße, die sich als wirklich abenteuerlich herausstellte. Von der Nordküste hinauf führte sie steil steil steil, einspurig und sehr kaputt bis über den Calderarand. Oben hielt ich bei einer Gruppe Jugendlicher und vergewissert mich, ob ich wohl richtig bin. Doch doch, da ginge es zum Batur. Jeder von ihnen betonte, ich solle bloß vorsichtig sein, einer wollte meinen Rucksack, der andere mein Moped runter fahren. Da kam ich dann doch ins Grübeln, was mich erwarten würde. Ich kam unfallfrei hinunter, aber sie hatten Recht. So ein Gefälle war ich noch nicht gefahren. Asphalt war nur sporadisch vorhanden meistens waren es Löcher mit und ohne Geröll. Zum Glück sah man schon unten den See, das Ziel war nah… Zwei Jungs waren so lieb, mich zu begleiteten. Sie wollten sicher sein, dass ich gut ankomme und amüsierten sich, wenn ich den Roller auf den losen Steinen einfach unter mir rutschen ließ.

Am Batursee angekommen brauchte ich eine Pause. Es gab einen kleinen Happen Mandarinen und Bananen im Lavafeld, dann zum Guesthaus Miranda, das mich sehr enttäuschte: schmutzig, kein Laken, keine Decke, keine einzige Steckdose, Wifi natürlich auch nicht – eine Bruchbude. Aber ich wollte gerne auf dem Calderarand wohnen, also blieb ich. In der Caldera ragte der Schlot des Batur auf. Zuletzt spuckte er 2000 und verwüstete wieder ein Dorf. Heute wandern täglich eine Menge Leute hinauf, um den Sonnenaufgang zu sehen. Ich hab mir den einfach vom Calderarand aus angeschaut. Rund um den Schlot führt eine spannende Straße, auch mitten durch den letzten Lavastrom.

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Unten am See ist es sehr touristisch, Kintamani ist dagegen ohne jeden Komfort und gruselig riechend. Ein kleiner Markt, die allgegenwärtigen Shops und abends öffnen die Garküchen.

Von Kintamani aus ging es weiter nach Munduk. Leider musste ich wieder aus den Flaschen tanken und diesmal erwischte ich schlechten Sprit. Das Rollerchen zog nicht mehr. Ich quälte mich 40 km lang mit 20/30 km/h und konnte dann an einer richtigen Tankstelle nachfüllen. Schon besser.

Je weiter ich nach Westen kam, um so hübscher wurde die Landschaft, es gab wieder Bananenbäume, Palmen, Reisfelder. Die Dörfer waren wieder voller Haustempel, die Leute grüßten und es roch gut. Ich musste alle paar Kilometer halten, um mir Früchte und Blumen anzuschauen, und traf dabei auch meinen ersten freien Gecko. Auf einer Plantage nahm mich ein Arbeiter mit und zeigte mir alles: Papaya, Kakaobäume, Kaffee Sträucher, Bananen…

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Nach der staubigen, trockenen Region im Norden hatte ich wieder ein Grinsen im Gesicht.

In einem Dorf hörte ich Musik und stoppte. Es wurde eine Beerdigung gefeiert und ich durfte reinschauen. Zunächst wurde jungen Leuten die Oberzähne gerade geschliffen. Dieses Ritual soll Habgier, Eifersucht, Dummheit, Wollust, Zorn und Unbeherrschtheit beseitigen,  die man zwar als Kind, aber nicht als erwachsener Menschen zeigen sollte. Die unteren Zähne gehören den Dämonen und bleiben wie sie sind. Ich stelle mit das schmerzhaft vor, aber keiner zuckte auch nur. Drumherum sangen jeweils Mitgliedern der Familie und hielten Arme und Beine.

Von der Beerdigung durfte ich keine Bilder machen. Ich war sehr froh, dass zwei Männer erzählten was passiert und vor Allem die Regeln erklärten. Meinen Sarong hatte ich ja dabei…

Keine 5 Minuten nach dieser sehr traditionellen Feier hielt ich auf einer großen Brücke und es kam eine Gruppe Motorradfahrer an: richtige große Mopeds: Ducatis, Yamaha, Honda, … Sie werden erst seit 4 Jahren importiert und es gibt nur eine sehr kleine Gemeinschaft auf der Insel. Zwei Pole Balis.

Auf dem Weg nach Munduk kam ich auch an den ersten Erdbeerplantagen vorbei. Natürlich konnte ich nicht widerstehen und genoss es, lange mit einem frischen puren Saft bei klassischer europäischer Musik auf der Terrasse zu sitzen, weit über die Landschaft und auf den sonntäglichen Verkehrstrubel auf dieser Bergstraße zu schauen. Es war Sonntag, jede Menge balinesischer Ausflügler waren unterwegs, sie flüchten wohl auch vor der Wärme an der Küste.

In Bedugul fand zudem eine große Zeremonie statt, zu der Busse, Trucks und Autos unterwegs waren.

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Danach wurde es ruhiger, es gab viel zu sehen: die Vulkane, das viele Grün, viele Tempel, 3 blaue Seen und jede Menge gutgelaunte Sonntagsausflügler.

Auf der Fahrt nicht weit von hier habe ich mit nem Affen diskutiert, wem mein kleiner Rucksack gehört… Ich musste echt deutlich werden und einen imaginären Stock aufheben.

In Munduk angekommen war ich vom Homestay One sofort begeistert: sauber, tolle Aussicht, ruhig, Moskitonetz, Terrasse, kühl, die Nacht wird sicher sehr ruhig bis auf die vielen Tiergeräusche. Was jetzt im Dunkeln so keift und uhut und grillt weiß ich nicht. Der kleine Gecko über mir macht öckeeeen öckeeeen. Klingt alles schon ziemlich dschungelig.

Zum Homestay gehört ein eigenes kleines Restaurant. Leider war heute abend geschlossen: der Koch bekommt mit seiner Frau demnächst ein Baby, ihr ging es nicht gut und da musste er heute zu Hause sein. Mal sehen, ob da morgen schon gratuliert werden darf 🙂

Die Leute hier sind offen, es ist touristischer, es gibt nette Warungs. Den Sonnenuntergang genieße ich hier auf der eigenen Terrasse und hab gleich mal auf 4 Nächte verlängert.

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Mein Speiseplan heute: am Abend ein paar Kekse und Mandarinen. Mir ist immer noch ständig ein bisschen schlecht, aber es wird besser.

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