Am Vormittag gab ich mir nochmal das indische Kleinstadtfeeling meines Stadtteils von Srinagar.

– zu Fuß die Geschäftsstraße entlang mit Abstecher zum See, durch Wohnstraßen, kleine Handwerkerviertel, Bäckereien.

– kurzer Blick in die schicke Moschee – ich hatte extra ein Tuch dabei.

– auf dem Markt eine kleine Wassermelone einkaufen

– mit Pakora-Bäckern handeln und verschiedenes probieren, Proviant für den 24-Stunden-Flugtag einkaufen.

– mit einem Mopedhändler fachsimpeln und die Modelle von Yamaha 100 und SR 500 an Bildern vergleichen, Kaufvereinbarung für eine Enfield für irgendwann treffen.

– nochmal in die Bäckerstraße, weil es nur dort die leckeren Kokoscookies gibt.

– Rückfahrt mit dem Bus, den ich per Winken irgendwo anhalte, reinspringe und zeige, wo ich wieder raus will.

Alles mit netten Unterhaltungen, gelegentlich wird der Nachbar zum Übersetzen geholt und natürlich jeder über die Erkenntnisse der Gespräche (Germany, married, enjoyed Kaschmir, Bullet, today flight to Delhi) informiert.

Zurück am Hausboot relax: Dusche, Tee, Cookies, Wassermelone, Kingfisher

Und dann kam der Fahrer, um mich zum Flieger zu bringen. Vor dem Abflug lagen nur noch ein-zwei Kontrollen mit absoluter Ernsthaftigkeit, die ich im Folgenden beschreibe…

Mirak Komplex Rainawari Srinagar – New Delhi Domestic

Grundsätzlich findet jeder im Folgenden beschriebene Check unter den Augen von bewaffneten Militärs/Polizei statt. Die MP ist immer dabei…

Den Namen der Airline und das Flugziel zu wissen hilft schon bei Ankunft am Eingang.

Vorsicht: In Indien gewöhnt man sich daran, dass alle immer nach vorne drängeln, jede Lücke nutzen bis ein großer Klumpen entsteht. Am Flugplatz gab es plötzlich Schlangen: ganz gerade, einer hinter dem anderen, please und thanks und Geduld. Ui!

– Ein Kilometer vor dem Flugplatz Pass und Ticket bereit halten, irgendwo an der Straße an Checkpoints zweimal vorzeigen.

– Die ankommenden Autos werden in Spuren aufgeteilt und einzeln gestoppt: alles Gepäck raus, über ein Laufband mit evtl. Durchleuchtung schicken, nebenher laufen, Ticket zeigen, unter das Auto wird an einer Ecke ein Spiegel gehalten. Alles Gepäck wieder ins Auto, weiterfahren.

Der Shuttleservice kann mich nur an der Airportauffahrt rausschmeißen.

– Eingang des Airports: Kontrolle des Tickets

– 20 m weiter: alles Gepäck auf das richtige Laufband der richtigen Airline, Durchleuchtung, darauf achten, dass an jedes Gepäckstück ein Sticker der richtigen Airline dran kommt, Kamera und Laptop einschalten und vorzeigen

– Ausländer: Formular ausfüllen, das sollte man scheinbar auch bei Einreise nach Jammu-Kaschmir getan haben.

Hier traf ich auf ein polnisches Paar, das ziemlich frustriert von ihrer Nordindienreise erzählte. Sie traf ich dann immer mal wieder.

– Check-in: Ticket erhalten, Gepäck abgeben – wie wir es kennen

– Helm darf nicht als Handgepäck reisen, wird unkompliziert zum großen Rucksack geworfen

– Sicherheitskontrolle, Achtung, Geschlechtertrennung!: Handgepäck durch die Durchleuchtung, Mensch durch die Abtastschleuse. Es piepst übrigens bei jedem. Hosentaschen, Gürtel usw. sind egal, Stempel bekommen

Eine junge Sikh-Frau packte mich ab hier unter ihre Fittiche, wehren zwecklos, und lotste mich ganz liebenswert durch alle folgende Stationen. Sonst hätte mir ziemlich die Orientierung gefehlt.

– links abbiegen, nochmal Handgepäckkontrolle. Nette Dame macht Tasche auf, schaut drauf und drumherum, Laptop, Kamera einschalten, Anhänger bekommen

– Nach Draußen zu den Gepäckschlangen der richtigen Airline gehen, das eigene Gepäckstück identifizieren, Aufkleber vom Ticket abreißen lassen, Stempel bekommen, beim Einladen zuschauen – wer weiß schon, dass man sowas tun muss?

– durch Ticketcheck laufen, Abgleich Nummer am Handgepäck

Bis hierhin alles zackig, hopp hopp! Jetzt warten..

– Gate 5 suchen, mit Änderung 2 min vor Boarding rechnen, kaum zu verstehen. Gut, wenn man jemanden mit der gleichen Flugnummer findet oder kurz beim Personal sein Ticket zeigen. Die bringen einen dann persönlich und rechtzeitig zum richtigen Gate.

– Änderung auf Gate 1, dort ist keiner, ganze Horde steht rum, irgendwo ruft einer irgendwas: alle zu Gate 2

– lange Schlange bilden. Ordentlich!

– Boarding: Ticketcheck mit Stempel drauf, Abgleich Nummer am Handgepäck

– raus auf das Gelände, Körperkontrolle mit Geschlechtertrennung: erst bei jedem lockeres Poklopfen, dann nur noch Durchwinken

– Ticketcheck mit Stempel drauf, Abgleich Nummer am Handgepäck

– am Flieger: Ticketcheck – ohne Stempel!

Im Flieger: Yeah! Fensterplatz und neben mir frei, in einem ziemlich neuen Flieger!

Ankunft Delhi

Sehr unkompliziert, Gepäck schnappen, raus und fertig.

Die Polen hatten einen Flug früher, mussten aber sehr lange am Gepäck warten. So trafen wir uns wieder und haben den Abend zusammen verbracht.

Draußen ging es sehr simpel weiter: wir mussten den Shuttlebus zum International Airport finden. Wobei der nicht so heißt , sondern T 3 = Terminal 3. Und er nur kostenlos ist, wenn man irgendwo vorher sein Ticket vorlegt und dafür ein Receipt bekommt. Ich habe also die INR 25,- bezahlt. Nunja…

Am T3 tranken wir noch was zusammen, die Polen mussten noch draußen warten bis für ihren Flug geöffnet wurde.

In den T3 durfte ich sogar schon rein, das ist erst ab Schalteröffnung erlaubt.

Flug Nr. 2: Delhi – Kuala Lumpur in Malaysia

Am MalaysiaAirline-Schalter war es super nett. Sie konnten erst mit meinem 60 Tage-Visum nix anfangen, der Chef hat es dann aber aufgeklärt. Alles gut. Mein Helm darf bei MalaysiaAirline nun auch ins Handgepäck.

Dann zur Personenkontrolle.

Natürlich piepste es an meinen Hüften, ist ja auch ne Menge Metall drin. Also ab in die Kabine. Gürtel ab, Hosentaschenkontrolle, immer noch Piepserei. Leg, Hip und Implantat verstand sie nicht. Nächster Schritt: Piepsgerät direkt auf die Haut. Jo, piepst. Rundherum. Auch hinten. Erst als sie OP-Narben sah war es ok.

Irgendwas haben sie dann in meinem kleinen Rucksack gesehen, was ihnen nicht gefallen hat. Also ausräumen. Alles. Nochmal röntgen. Nix. Jedes Fitzelchen wurde auseinander genommen. Nix. Nach 40 min haben sie beschlossen, dass es ein Stückchen des Kugelschreibers gewesen sein muss. Na dann, wenn es sie beruhigt.

Tschüss, Land der Kontrollen Indien!

Dann hatte ich endlich Zeit, mich ein bisschen umzusehen. Einen Hägen Dasz Iced Coffee konnte ich mir noch leisten und ein Gute-Nacht-Bier für den 8-Stunden-Flug ab 23.00 auch. Dann war ich pleite. Wifi gab es leider im Internationalen Airport Delhi nicht. Zumindest nicht für Menschen ohne indische Telefonnummer. Ein netter Shopbesitzer ließ mich in sein privates Netz und ich konnte immerhin ein OK nach Hause senden.

Boarding bei der Malaysia Airline: Breites Lächeln, entspanntes Welcome, kein 100facher Check, klassische Musik. Selamat Datang! Ach wie schön!

Warum eigentlich habe ich Malaysia nicht in meinem Reiseplan?

Auch bei diesem Flug blieb zunächst neben mir frei. Und dann kam aus der zweiten Reihe hinter mir eine junge Frau. Kurze Erklärung, mein Blick auf ihre beiden indischen Sitznachbarn und klar konnte sie den Platz haben. Eine Südkoreanerin, die die letzten 4 Jahre in Delhi Chinesisch studiert hat. Das nur, weil sie einen bestimmten Film gesehen hat. Während des Studiums reiste sie mehrmals längere Zeit durch China. Allein als junge koreanische Frau! Sie verdient sich ihr Geld selbständig mit Forschungsaufgaben und Kommunikationsmanagement und reist weiter wenn es reicht. Nun ist sie auf dem Weg nach Japan, um dort 3 Wochen zu reisen, zu urlauben und nach Arbeit zu schauen. Dann geht es weiter nach Hause nach Südkorea. Spannende Frau. Ach ja, in Berlin war sie auch schon und besonders gefallen hat ihr das türkische Kebab.
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Wir überbrückten noch gemeinsam die Wartezeit. Ähm, eigentlich stierten wir ausschließlich auf die Tablets und nutzten das gefühlt wahnsinnig schnelle Wifi. Nach Indien ist alles schnell, was funktioniert.

Und nein, man bleibt wirklich nicht allein als Alleinreisende, wenn man das nicht genau so will.

Und dann ging es ratzfatz in die nächste MalaysiaAirline-Maschine zum 3. Flug: Kuala Lumpur-Denpasar auf Bali.

Und schon wieder bleibt der Sitz neben mir leer. Wie schön!

Auf das Ratzfatz folgt eine einstündige Trödelei auf dem Rollfeld. Gefühlt fahren wir einfach im Zickzack herum. Deutlich zu spät heben wir über Palmenfelder in die strahlende Sonne ab. Und landen in strahlender Sonne über Palmfeldern wieder. Bali.

60 min brauche ich, bis ein ATM meine Karte nimmt. Nicht alle nehmen Visa, nicht alle haben Geld drin… Bargeld wechseln würde deutlich schneller gehen, aber so viel hatte ich nicht mit.

Nochmal 60 min brauche ich, um ein Taxisharing nach Ubud zu finden. Mit „fuck you“ verabschiedete uns der Taxifahrer. Der ausgehandelte Preis war ihm wohl nicht hoch genug. War aber immer noch deutlich höher als nach Taxameter.

Noch 100 m in eine Sackgasse laufen -ui, ist es hier still, obwohl mitten im Ort- das richtige Tour finden, motten zwischen Tempelfiguren, Pflanzen und Häuschen stehen und mit breitesten Lächeln von Njoman empfangen werden. „You Birgit?“ „Yessss!“ 😁

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