Es war meine zweite gebuchte Motorradreise.

Es war schwierig. Sehr sogar. Zum Einen die Kombi 6 Männer, 1 Frau. Aber das kann gut gehen, hab ich ja schon mehrfach erlebt. Das Problem waren die unterschiedlichen Erwartungshaltungen an diese Reise. Und der mehr- oder weniger souveräne Umgang damit.

4 aus der Gruppe wollten in einem exotischen Land motorradfahren. Sie kamen mit sehr geringem Interesse und Wissen zu Land und Kultur, wollten nur fahren und kaum mal was anschauen. Der ältestes buddhistische Tempel des Landes? Nö, muss ich nicht sehen. Aber wo wir schon auf dem 50 m davor liegenden Parkplatz sind: wo gibt‘ s was zu essen…? Dazu kam ein ein großzügiger Umgang mit Geld – man muss ja zeigen, zumindest erzählen, was man hat und die entsprechende Haltung den Einheimischen gegenüber zeigen.

Zwei aus der Gruppen hatten gebucht, weil das individuelle Organisieren zu zeitraubend oder das Alleinfahren nicht sinnvoll war. Alltagsleben, Religionen und Werte der Menschen interessierten diese beiden. Ziel dieser Reise: vorher informiert sein, so viel wie möglich sehen, sich mit Menschen unterhalten, Bilder mit nach Hause nehmen. Dazu braucht es Zeit, Landschaften einzusaugen, zu fotografieren, Pausen zu machen, Gesprächsanlässe zu nutzen…. Geld wird ans Kinderdorf gespendet oder als Trinkgeld gegeben.

Das passt nicht zusammen und der Guide müsste versuchen, einen Mittelweg zu finden. Wenn er aber nun gerne am Nachmittag am Ziel sein möchte und sich ansonsten nicht besonders für andere als die eigene, leider nicht buddhistische sondern moslemische,  Einstellung interessiert fehlt viel Erlebenswertes und Motivation, dies zu organisieren. Im buddhistischen Zielland Ladakh ware schön gewesen, einen Guide mit entsprechendem Hintergrund zu haben, der interessiert wäre, den Besuchern diese Kultur zu zeigen. Und der souverän mit einer selbständigen europäischen Frau umgehen kann.

Das reine Fahrtempo, vor allem offfroad und auch mit der wenig geeigneten Enfield, war eher locker für mich. Da zahlte sich einfach die lange Erfahrung aus.

Sehr schade. Jede Reise bildet. Eine meiner Erkenntnisse ist also: die Zielgruppe solcher Reisen ist kaum die Art Menschen, mit denen ich gerne diese Reisen machen möchte – mit denen ich überhaupt gerne reisen möchte. Sie reisen nicht, sie fahren irgendwo Moped und bezwingen die höchsten Pässe der Welt. Yeah!

IMG_20150818_182811

„Love it, change it or leave it“

Gedichtzeile von Mary Oliver: »Tell me, what is it you plan to do / With your one wild and precious life?«

Advertisements