Morgens brannte die Sonne aufs Zelt. Das Licht hatte sich nun dramatisch geändert, es war sofort warm. Lange saß ich mit schwarzem Tee und schaute auf den See. Er ist 138 km lang aber nur 8 km breit. Auf etwa 4200 m haben wir geschlafen. Wenn es viel regnet oder taut ist die Zufahrt sicher schwierig. Dann müssen mehrere Furten überquert werden. Wir hatten Glück und nur ein paar flache Wasserläufe auf dem Weg.

Nach dem Frühstück fuhren wir auf gleichem Weg zurück zum Pass. Nur 10 min Grieselhagel und ab dann blieb es trocken aber kalt. Die Berge rundum waren weiß gepudert. Ich nutzte eine Teepause der Gruppe, um lange oberhalb eines tiefen Tales zu sitzen und zu gucken. Ist ein bisschen wie Alpen bloß größer.

Fast im Industal angekommen schauten wir noch bei einem kleinen Kloster vorbei, zum Reingehen war leider keine Zeit.  Da sich außer uns zwei keiner für Klöster oder ähnliche kulturelle Ziele interessiert müssen wir da zurückstecken. MotorradREISE definiert in dieser Gruppe jeder anders. 3 der Gruppe sehen dabei das Fahren und Ankommen als Hauptteil. Schade. Ich würde ja mehr Zeit des Tages unterwegs und mit Einheimischen verbringen.

Immer wieder gibt es kleine Begegnungen, die ich aufgrund des Zeitmangels abbrechen muss. Ein älterer Mann, der uns zum Tee einlädt, eine Frau, die mir ihren Garten zeigen möchte, ein netter Plausch in der Teestation, den ich beenden muss. Und häufig Fotoshootings unterwegs…

Leider waren wir auch nicht im Kloster Hemis. Dort hätten wir die größte Gebetsmühle Ladakhs anschauen können.

Den Nachmittag verbrachten wir in der City von Leh und aßen nochmal im tibetischen Restaurant. Sonntags kann man weder Fleisch noch Bier bekommen. Gut, wenn man darauf eingestellt ist, dass es diese Vorgabe der ladakhischen buddhistischen Partei gibt.

Da an diesem Wochenende ein angesehener Yoga-Lehrer in Leh weilt gibt es verschiedene Tänze und musikalische Vorträge. Ich bin nach zwei Offroad-Tagen und einer Zeltnacht leider zu kaputt für einen nächtlichen Ausflug.

Die Fahrtage gehen an die Substanz. Alle in der Gruppe hatten inzwischen ein Tief, alle sind abends froh, am Hotel zu sein. Die Enfields sind nicht wirkliche Offroad-Mopeds, schlagen sich aber ganz gut. Die alte mag ich mehr als die neue Version.

In Leh gibt es die Vorschrift, dass nur einheimische Guides und Verleihfahrzeuge eingesetzt werden dürfen. Das heißt, unsere alten Bullets aus Delhi dürfen hier nicht laufen und wir haben andere, modernere für das Nubratal und den Pangongsee bekommen. Sie sind noch choppigerer, Stehen geht quasi gar nicht, sind lahmer und zäher im Motor, dafür springen die Gänge nicht raus und die Bremsen funktionieren. Beide haben Vor- und Nachteile. Für mein Knie ist die neue besser, für Berge und Offroad taugt sie viel weniger. Für die hohen Bergen ist die alte in jedem Fall die bessere Wahl. Sie zieht besser durch und die Sitzposition inkl. Fußratenposition ist günstiger.

Am Ende machen sie alle BubbBubbBubb und blubbern so vor sich hin. Über viele Offroad-Mopedkilometer ist anstrengend, im Sitzen die sehr holprigen Pisten zu fahren. Es knallt öfters in den Rücken. Irgendwie schuckeln sie einen dann aber doch hoch und wieder runter. Man braucht mehr Geduld und mehr Leidensfähigkeit. Nun ja, sind hält Oldtimer auf indischen Pässen, das wussten wir vorher.

Ausgeglichen werden die Strapazen immer von der überwältigenden Landschaft und den interessanten Menschen. Ich habe jeden Tag das Gefühl, eine spannende, neue, nachhaltige, beeindruckende Situation zu erleben.

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