In Keylong starteten wir gemütlich. Unsere Mopeds standen noch auf einem Balkon oben über der Stadt. Auf dem Festplatz fanden sich noch die Reste der Vorabendparty. Wir stapften durch das Dorf hinauf. Mit den ganzen Moped Klamotten war das in der Höhe doch anstrengend. Aber endlich ging es los. Ziel war das Zeltcamp Sarchu in 4400 m. Davon trennten uns etwa 100 Kilometer und der 5000er Pass Baralacha La.

Gleich nach dem Start ging es spektakulär los. Hart am Rand einer Schlucht schlängelte sich die schlechte Straße bergauf. Bald hielten wir an einem kleinen Tempel mit hübscher großer Gebetsmühle. Rein gegangen sind wir nicht, Mopedstiefel ausziehen war uns zu mühsam. Ein Schild verriet, dass der Dalai Lama den Tempel 1994 eingeweiht hatte. Gegenüber auf der anderen Straßenseite begeisterten mich uralte knorrige blattlose Bäume. In den Ästen wehten Gebetsfahnen.

Mit jedem Kilometer, den wir auf der Serpentinenstrecke bezwangen, wurde die Landschaft beeindruckender. Tiefe Schluchten, immer noch grüne Wegränder, einige Hangabrutsche, weite Täler mit breiten oder dünnen Flüssen und interessante Brückenkonstruktionen machten die Fährt spannend.

Durch einige Wasserläufe mussten wir fahren. Dank des bewölkten Himmels waren die aber nicht tief, da die Gletscher nicht viel Schmelzwasser lieferten.

Der Straßenbelag wechselte auf den nächsten 300 Kilometer zwischen halbwegs ebenem Asphalt, Löcherpiste, Sandstreifen, groben Steinen, Furten, unebenster Naturstrecke hin und her. Meistens war es eher anstrengend, mit den chopperartigen Enfields eine gute Linie zu finden und die Stöße abzufedern. An den Linksverkehr habe ich mich schnell gewöhnt. Die Trucker sind sehr aufmerksam und rücksichtsvoll, winken und lächeln. Manchmal halten sie auch auf einen kurzen Smalltalk. Die Enfield passt ja meistens doch irgendwie vorbei, ohne in die Schlucht zu fallen. An manchen Stellen sieht man aber jede Menge Tanklaster und Kleintransporter, die abgestürzt sind. Oder abgerutschte Straßenabschnitte, wo man besser Abstand vom Rand hält.

Wir pausierten wieder an einer Raststation, nun schon auf 4200 m. Die Zelte waren hier luxuriöser ausgestattet. Es war zu sehen, dass hier auch mit richtig schlechtem Wetter und überraschend auftauchenden Übernachtungsgästen gerechnet wurde. Der ganze Raum war von einer Schlaffläche eingerahmt, dickere Decken stapelten sich an der Wand, Grundlage waren geschichtete Steine, darauf ebenso Decken. Davor ein paar niedrige Tische.

Kekse, Cola, Tee, Omelett, Reis und Dal bekam man hier immer. Darüber hinaus nicht wirklich etwas anderes. Aber das passt, macht satt und schmeckte bisher immer gut.

Die sehr stabilen Zeltplanen haben unterschiedliche Farben, machen das große Zelt tatsächlich winddicht. Je nach Farbe wirkt im Inneren alles gelblich, bläulich oder rötlich. Sehr interessant, v.a. wenn man dann wieder hinaus geht und das Sonnenlicht ganz fremd wirkt.

Gekocht wird mit Gas aus großen Flaschen auf großen Brennern, draußen läuft ein Benzingenerator. Auf saubere Hände oder gut gespülte Teller und Tassen sollte man keinen Wert legen. Einfach nicht hinschauen.

Selbst Blumen wachsen in dieser Höhe noch. Huflattich, meist aber klassische Alpenblumen, auch Edelweiß konnte ich entdecken.

Die Straße ist gesäumt von witzigen, immer auch mahnenden Sprüche, die daran erinnern, dass das Leben bei einem Unfall endet. Die verschiedenen Ursachen werden gut formuliert auf gelben Schildern beschrieben. Zum Beispiel: „Are you ging for a party? Then why drive so dirty?“ Da gibt es bestimmt Sammlungen im Netz.

Irgendwann waren wir oben, auf dem Baralacha La. 4850 m hoch und schön anzuschauen mit seinen vielen Gebetsfahnen, die im Wind flatterten.

Durch weiter völlig surreale Landschaften fuhren wir weiter nach Norden. Isländische Vulkanwüste in riesengroß beschreibt es ganz gut: bunt, erodiert, wechselhaft. Und wieder Schluchten, Felstürme, weite Sandflächen, enge Serpentinen, Schatten- und Licht-Spiele, abenteuerliche Metallbrücken und furchtbar schlechte Piste.

Am frühen Nachmittag kamen wir in unserem Camp in Sarchu an.

Am Hang pfiffen die Murmeltiere und ich verbrachte den ganzen Nachmittag 200 m über dem Camp. Ich sah den Murmeltieren beim Spielen und Fressen zu, schimpfte auf den schwarzen Hund, der sich eines davon geholt hatte, beobachtete den Lauf der Sonne über den spitzen Bergrücken und verbrannte dabei mein Gesicht. Eine Dose Kingfisher wagte ich trotz der Höhe von 4600 m zu trinken, es ging mir sehr gut hier oben. Eine große Schaf- und Ziegenherde zog am Camp und an mir vorbei, die Zotteltiere sahen sehr sympathisch aus. Ein Pärchen Wiedehopfe flatterte immer wieder vorbei. Oder zumindest Vögel, die ihnen sehr ähnlich sehen.

Dann ging die Sonne hinter den Bergen unter und es wurde schlagartig saukalt. Zum Glück gab es bald Abendessen: Reis, Dal,  Chapati und geschmorte Auberginen. Sehr lecker! Zum Nachtisch süße Nudelsuppe mit Rosinen und schwarzer Tee. Mnjam!

Danach bin ich gleich unter die dicken Decken in meinem Zelt geschlüpft. Es war erst 20.00, aber der Wecker stand auf 5.00!  Und wieviel Schlaf ich auf dieser Höhe finden würde musste ich sehen.

Ich mummelte mich in die reichlich vorhandenen Decken ein, bekam noch eine Wärmflasche an die Füße und schlief wie ein Murmeltier bis 4.00 Uhr. Draußen glitzerte ein überwältigender Sternenhimmel. Etwa 30 Minuten konnte ich ihn genießen und ging auf der Straße spazieren. Dann musste ich wieder in die warmen Decken zurück. Tatsächlich habe ich bis zum Weckerklingeln geschlafen.

 

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