Viel hatte ich schon gehört von diesem manchmal sehr schwierigen Pass Rohtang La. Schlammig kann er sein, um Trucks muss man herum kurven, viel Regen fällt in dieser Monsunzeit.

Wir hatten bisher Glück mit dem Wetter, wenig Regen und dann nur ab dem Nachmittag.

Am Morgen überhörte ich den Wecker und setzte mich gehetzt und ohne Frühstück aufs Moped. Ein guter Start sieht anders aus. Als wir starteten ließ gerade der Regen nach, die Regenkombi konnte ich also bald wieder ausziehen. An Manali fuhren wir nur vorbei, viele kleine Jeeps standen für Touren bereit, etliche westliche Touranbieter bewarben ihre Angebote am Straßenrand.

40 km ging es entlang der braunen sprudeligen Fluten des Beas über normal schlechte Landstraßen, dann bogen wir ab in die Passstraße. Serpentine im Serpentine schraubten wir uns rauf, das Fahren machte Spaß, die Straße war ziemlich gut wenn auch schmal. An einem Checkpoint mussten wir warten bis Abdul uns angemeldet hatte. Und dann ging es rauf mit wunderschönen Blicken in Schluchten. Lange schmale Wasserfälle stürzten die Felsen hinunter, noch waren die Hänge bewaldet. Über und fast neben uns schwebte wie im Film ein Adler. Inzwischen weiß ich, dass es ein Golden Eagle war. Sehr beeindruckend!

Die Gruppe bröckelte auseinander. Wir blieben zu dritt hinten, hielten immer wieder abwechselnd, um Bilder zu machen. An einer Teestation trafen sich alle wieder. Hier waren wir etwa 2300 m hoch, da fehlte also noch eine Menge bis 4000. Gebetsfahnen flatterten, ich konnte frühstücken, Buckelrinder lagen am Straßenrand.

Weiter ging es im freien Fahren. Schwierig war die Straße bisher nie. Ab und zu kam ein schotteriges, sandiges oder schlammige Stück welche aber immer gut zu fahren waren. Bauarbeiter reparierten an vielen Stellen den Weg und klopften Steine. Die Auffahrt in strahlender Sonne genoss ich sehr. Zwischendrin hab ich mal einen Pulli unter die Endurojacke gezogen. Mehr brauchte es nicht.

Und hier kommen besondere Grüße an Jörn, der Schuld hat, dass ich diese Tour wirklich mache. Ihr müsste nochmal her kommen! Dieser Pass kann traumschön sein!

Und dann waren wir oben. An den Gebetsfahnen hielten wir für ein Foto und waren sofort umringt von einer Gruppe Inder. Vor allem die Frauen wollten Fotos mit jedem und jeder, setzten sich auf die Enfields, schwatzen, fragten, freuten sich. Es war ein großer lustiger Trubel. Ich bekam ein Lied beigebracht und alle tauschten die wichtigsten Daten aus: Woher? Wohin? Name? Gefällt dir Indien?

Als der zweite Teil unserer Gruppe kam fuhren wir halbwegs geordnet weiter. Wieder hielten wir hinten oft, um diese spannende Landschaft zu genießen. Den Begriff grandios hebe ich mir mal noch auf für die Fahrt nach Leh…

Die Abfahrt war nun aber ungleich schwieriger. Sehr oft fehlte der Asphalt, Steine und Sand über längere Abschnitte verlangten Konzentration und Fahren im Stehen. Wenn es hier nass ist ist das sicher nicht lustig. Eine Schlammstrecke zeigte uns, wie sich das dann anfühlt.

Aber es kamen alle gut runter und natürlich gab es am Checkpoint einen Tee und ein Picknick. Ringsum waren die Felder bebaut mit Kartoffeln, Mais und Kohl, Obstbäume standen verstreut in den Feldern und Gärten.

Die letzten Kilometer blieben mal gut mal schlecht, wir tankten randvoll – es muss nun bis Leh reichen. In Keylong parkten wir recht abenteuerlich auf einem Balkon und stapften dreckig wie wir waren durch die ganze Stadt zu unserem Hotel. Die Einfahrt zur Stadt ist schon gesperrt. Morgen beginnen die Feiern zum Tag der Unabhängigkeit.

Wir sind nun auf 3200 Meter. Ich merke zum Glück nix von der Höhe.

Nach dem Essen verbrachten wir einen lustigen Abend mit australischen Mopedfahrern. Zum Glück muss ich morgen nicht fahren…

Blick aus meinem Hotelzimmer

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