Die Nacht in Chindi war ruhig. Trotzdem war ich beim Aufwachen heiser und müde. Dazu morgendliche Hektik, aufspringen, losfahren – an diesem Morgen war mir alles zu viel. In Chindi ging es gleich wieder auf die Hauptstraße in den dichten Verkehr. Die Sonne schien, ein Affe sprang am Straßenrand herum, die Eni brummelte unterm Hintern. Sofort war das Grinsen wieder da. Frische Luft nach dem nächtlichen Regen ließ die Dieselschwaden weniger nervig erscheinen. 80 km fuhren wir mit kleinen Stopps auf der verkehrsreichen 22. Dann bogen wir ab Richtung Nordwesten und erreichten den braun dahin wälzenden Satluj. Hier ließen wir uns in einem Dorf zum Mittagessen nieder. Im Tal war es nun wieder schwül und eine Coke kam mir gerade recht.

An einer Kreuzung mit Brücke hatten es etwa 30 Fahrzeuge geschafft, sich ineinander komplett zu verkeilen. Nichts ging mehr vor oder zurück. Wir konnten uns mit Mühe durcharbeiten, danach versuchten mehrere Männer, das Knäuel zu entwirren. Wo eine Lücke ist fährt der Inder hinein. Ob dadurch alles blockiert wird ist ihm eagl. So standen schon öfter Fahrzeuge quer auf der Straße und konnten nicht weiter wenden weil keiner hielt und alle durchdrängelten. Dann steht alles und es geht nichts mehr. Irgendwie klappt es aber doch, einer gibt nach, fährt ein paar Zentimeter zur Seite und alles löst sich auf.

Der Satluj strömte mit beeindruckendem Hochwasser aus China kommend bergab, riesige Pilze und Verschneidungen wirbelten das Wasser herum. Ihm folgten wir etwa 10 km, um dann in ein schmales Seitental abzubiegen. Wunderschön urwaldig roch es, überall wuchs der Hanf an Hängen und am Straßenrand, kleine arme Dörfer durchquerten wir hin und wieder. Die steilen Berghänge strotzen vor allen möglichen Grüntönen, rechts ging es gefährlich tief hinunter. Verkehr begegnete uns nun fast keiner mehr, die Straße blieb einspurig. Solche Strecken liebe ich. Schmal, ausschließlich Kurven und schlechter Asphalt. Dazu geniale Landschaft und ein knuffiges Moped. Perfekt!

In den Dörfer waren viele Leute zu sehen. Es war nun Nachmittag, Kinder und Jugendliche kamen in Uniformen aus der Schule, Männer saßen an den Läden und Cafès. Viele, vor allem die Jüngeren winkten uns immer wieder zu, Frauen lachten, riefen „Namaste!“, die Stimmung war viel freundlicher als gestern, als wir noch südlicher waren.

Leider begann am Abzweig unten auch heftigster Gewitterregen. Innerhalb kürzester Zeit waren wir klatschnass, zum Glück hatten wir uns vorher schon die Kombis übergezogen. Ich hatte nur alten Kram dabei, der das Schlimmste abhielt aber lange nicht alles. Egal, es war warm und wir konnten nur langsames Tempo fahren.

Genau so schnell stürzten uns nun kleine Bäche auf der Straße entgegen. Große Löcher standen voller Wasser und immer wieder lagen hinunter gespülte Steine im Weg, der Sand wurde zu Matsch. Konzentration war also angesagt. Ab und zu konnte man aber schon mal einen Blick in das märchenhafte schmale Tal neben uns werfen und in den Dörfer zurückwinken. Wir traumhaft muss es hier bei Sonne aussehen? Jetzt schoben sich geisternde Wolkenfetzen vorbei, der kleine Bach unten schoss braun über große Steine.

Viele Hunde lebten hier. Aber meist lagen sie irgendwo am Straßenrand, wo wir auch auf die Kühe und manchmal Affen achten mussten. Die ersten Yaks trafen wir heute auch. Urige riesige Zotteltiere, die hier wohl als Touri-Reittiere gehalten werden.

Mitten im Wald bog Abdul ab und fuhr einen steilen Weg hinauf. Da stand nun zwischen tropfenden Bäumen unser zu Hause für diese Nacht. Tatsächlich ein kleines Hotel/Wanderheim,/Gasthaus. Der liebevoll gestaltete Garten wäre bei trockenem Wetter wunderbar zum Sitzen und Ausruhen. Eine Hollywoodschaukel auf einer Wiese, eine Sitzgruppe unterm Baum, exotisch rufende Vögel, mächtige Bäume rundum, rumpelnder Donner, Regentropfen überall: eine beeindruckende Kulisse.

Wir konnten gleich in unsere Zimmer und nutzten alle Gelegenheiten, um den nassen Kram aufzuhängen. Kleine Heizstrahler waren sehr hilfreich.

Auf das Wasser, das erst im Boiler warm werden musste wartete ich nicht. Kalt war auch gut. Danach genossen wir den Abend auf der überdachten Terrasse bei Bier extrastrong. Sehr lecker! Zum Glück war nur für jeden eine Flasche da und es gab bald Abendessen: wieder leckere indische Gerichte mit Chicken und Reis.

Gegen 22.00 fielen mir die Augen zu. Gut so, denn morgen geht es weiter auf diesen schmalen Strässchen, hoffentlich mit Sonne wie bisher jeden Morgen.

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